In Graz werden auf städtischen Grünflächen Blühwiesen und Staudenbeete angelegt, um die lokale Biodiversität zu erhöhen. Blühwiesen bieten Insekten und anderen Tieren wichtige Nahrungsquellen und Lebensräume. Sie werden beispielsweise in Parks, an Straßen und auf Verkehrsinseln angelegt und durch den Verein Natur.Werk.Stadt fachgerecht gepflegt. Staudenbeete, die besonders in der Innenstadt zu finden sind, ergänzen dieses Angebot. Die Stadt verwendet spezielle Pflanzmischungen, die je nach Standort unterschiedliche Pflegeintensitäten erfordern. Um eine hohe Artenvielfalt zu gewährleisten, wird bei der Anlage von Blühwiesen oft die oberste Bodenschicht abgetragen und durch eine spezielle Substrat-Mischung ersetzt. Die Blühwiesen tragen zur Verbesserung des Stadtklimas bei, bieten Erholungsmöglichkeiten und erfordern weniger Pflege als herkömmliche Rasenflächen. Die Stadt unterstützt zudem Imker und bietet Blühwiesen-Patenschaften an.
Blühwiesen sind naturnahe Flächen, auf denen viele verschiedene Blumen, Kräuter und Gräser wachsen. Diese Pflanzenvielfalt ist besonders wertvoll für die Natur: Sie bietet zahlreichen Tieren - wie Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlingen, Käfern, Vögeln, aber auch kleinen Säugetieren - Nahrung und Unterschlupf. Eine Blühwiese ist ein wertvoller Lebensraum: viele Wildbienenarten nisten im Boden, auf offenen, sandig-kiesigen Flächen ohne dichte Vegetation. Einige Insekten legen ihre Eier in abgestorbene Pflanzenstängel oder altes Holz. Steinhaufen bieten Unterschlupf und Nistplätze für wärmeliebende Arten.
Seit fast zehn Jahren werden in Graz solche Blühwiesen gezielt angelegt - zum Beispiel in Parkanlagen (Wasserturmpark in der Smart City), auf Verkehrsinseln, entlang von Straßen (z.B. Roseggerstraße, Burenstraße) oder zur Aufwertung bestehender Grünflächen (z.B. Schwimmschulkai oder Schleifbachmündung). Sie verschönern nicht nur das Stadtbild, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Derzeit gibt es in etwa 8000m² an Blühwiesen.
Ein verlässlicher Partner bei der Pflege und Betreuung dieser Flächen ist die Natur.Werk.Stadt. Dieser Verein kümmert sich darum, dass die Blühwiesen fachgerecht gepflegt werden und sich gut entwickeln. Die ersten städtischen Blühwiesen wurden gemeinsam mit Fachleuten der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, einer landwirtschaftlichen Forschungsanstalt, geplant und umgesetzt. Im Laufe der Jahre wurde in Graz viel Wissen über Blühwiesen gesammelt - sowohl in der Theorie als auch in der praktischen Umsetzung. Die Flächen werden regelmäßig überprüft und bewertet. Ein spezielles Wildbienen-Monitoring liefert wichtige Informationen darüber, wie sich die Artenvielfalt auf den Wiesen entwickelt. So kann sichergestellt werden, dass die Blühwiesen ihren ökologischen Zweck erfüllen und weiterhin ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere bleiben.
Artenreiche Staudenbeete schmücken schon seit einigen Jahren die Grazer Innenstadt und repräsentative Bereiche außerhalb des Zentrums. Staudenbeete sind so wie Blühwiesen wertvolle Trittsteine für die Biodiversität, indem sie verschiedenen Bestäubern eine Nahrungsquelle bieten und diversen Arten ein Versteck und Winterquartier. Staudenbeete haben einen höheren repräsentativen Charakter, brauchen mehr Pflege als Blühwiesen und können daher nicht überall in der Stadt angelegt werden. Beispiele für Staudenbeete befinden sich am Joanneumring, am Radetzkyspitz oder im Stadtteil Reininghaus.
In einer zoologischen Erhebung im Jahr 2022 wurden in Pflanztrögen der Grazer Innenstadt neben der Honigbiene 12 verschiedene Wildbienenarten nachgewiesen sowie Ameisen, verschiedene Wespenarten, Käfer, Ohrwürmer, Wanzen und Schwebfliegen. Insgesamt konnten auf den 3 beprobten Trögen 32 Insektenarten festgesellt werden. Für bestäubende Insekten sind blühende, Nektar produzierende Pflanzen besonders wichtig. Für Privatgärten eignen sich aber auch Mischungen mit einem höheren Anteil an heimischen Arten, wie z.B. Acker-Kratzdistel, Acker-Witwenblume, Arznei-Thymian, Blut-Weiderich, Echter Arznei-Baldrian, Gewöhnlicher Dost, Gewöhnlicher Hornklee. Bei der Pflege ist darauf zu achten, dass die Pflanzen nicht ausgerissen und entfernt, sondern nur abgeschnitten werden, da viele Insekten in den Stängeln und Halmen ihren Nistplatz haben.
Die Abteilung für Grünraum und Gewässer hat im Planungs- und Leistungsbuch Grünraum, das sich an Planer:innen, ausführende Firmen und interessierte Bürger:innen wendet, verschiedene ökologische, gleichzeitig pflegeleichte Mischungen zusammengestellt, die auf öffentlichen Flächen Verwendung finden.
Blühwiesen (extensive Begrünung):
Für die angegebenen Saatgutmischungen muss ein normaler, kalkarmer Gartenboden vor der Ansaat abgemagert werden, indem ein Drittel Sand beigemischt wird. Die Aufbauhöhe beträgt 20cm.
Pflegeaufwand: 1 oder 2 Pflegegänge pro Jahr. Bei 2 Pflegegängen: VI (Rückschnitt)/VIII-IX. Bei 1 Pflegegang: II-III oder X-XI (Rückschnitt). Ein bis zwei Pflegeschnitte mit hoch eingestelltem Rasenmäher bekämpfen Unkraut im Ansaatjahr. Ab dem zweiten Standjahr muss der erste Schnitt so spät erfolgen, dass alle wichtigen Arten einen ausreichenden Reifezustand erreichen. Das Mähgut muss am Boden trocknen, um ein Ausfallen der Samen und die Regeneration des Bestandes zu ermöglichen.
Staudenpflanzung (intensive Begrünung):
Die Aufbauhöhe beträgt 40cm. Abdeckung mit mineralischer Mulchschicht (sonnige bis absonnige Lagen), Aktivfasermulch (schattige/feuchte Lagen) reduziert den Beikrautdruck.
Pflegeaufwand: 4-6 Pflegegänge pro Jahr. Pflegeintervalle bei 6 Pflegegängen: II-III (Rückschnitt)/ IV/ V/ VI/ VII-VIII/ IX-XI. Pflegeintervalle bei 4 Pflegegängen: II-III (Rückschnitt)/ IV/ V/ VI-VIII. Alle Staudenpflanzungen sind bis zum vollständigen Deckungsgrad (Flächenanschluss) intensiv zu pflegen. Bewässerung: Staudenpflanzung kommt ohne Bewässerung aus, tritt jedoch früher in fruchtenden Zustand.
- Grundtyp 1 - Mischpflanzung - absonnig bis halbschattig unter Bäumen - Blau/Weiß/Gelb
- Grundtyp 1 - Mischpflanzung - halbschattig bis schattig unter Bäumen - Blau/Weiß/Gleb
- Grundtyp 1 - Mischpflanzung - sonnig bis absonnig - Gelb/Lila
- Grundtyp 2 - Matrixpflanzung - absonnig bis halbschattig unter Bäumen - Blau/Weiß/Gelb
- Grundtyp 2 - Matrixpflanzung - halbschattig bis schattig unter Bäumen - Blau/Weiß/Gelb
- Grundtyp 2 - Matrixpflanzung - sonnig bis absonnig - Gelb/Lila
- Grundtyp 3 - Block- oder Driftpflanzung - absonnig bis halbschattig unter Bäumen - Violett/Weiß/Creme
- Grundtyp 3 - Block- oder Driftpflanzung - halbschattig bis schattig - Violett/Gelb
- Grundtyp 3 - Block- oder Driftpflanzung - sonnig bis absonnig - Gelb/Violett
- Blumenzwiebel-Mischung - sonnig bis absonnig - Gelb/Lila
- Blumenzwiebel-Mischung - halbschattig bis schattig - Blau/Weiß
- Gesamtliste Ziergräser
- Gesamtliste Blütenstauden
- Gesamtliste Blumenzwiebel
- Gesamtliste Sträucher



Zu Beginn sieht eine Blühwiese aus wie eine simple Schotterfläche. Das hat einen guten Grund! Die meisten städtischen Grünflächen sind "überdüngt" - durch Stickstoff aus der Luft, durch Hunde, die ihr Geschäft verrichten und weil der Grünschnitt auf der Fläche verbleibt und nicht abtransportiert wird. Auf solchen Flächen etabliert sich eine Grünfläche mit geringer Artenvielfalt. Typischerweise finden wir dort Löwenzahn, Sauerampfer, kriechenden Hahnenfuß, Wiesenkerbel und einige wenige Arten mehr. Dementsprechend wenigen Tierarten bieten diese Standorte einen Lebensraum.
Viel seltener sind in der Stadt magere Standorte. Entlang von Wegen konnte man solche Standorte früher auch in Städten antreffen: Durch das oftmalige Mähen und den Abtransport des Mähguts wurde ständig Stickstoff entzogen und der Standort "abgemagert". Historisch wurden die Bereiche zwischen Weg/Straße und angrenzendem Grundstück auch beweidet. Es entstanden Flächen mit einer großen Artenvielfalt aus lauter spezialisierten Gräsern und Kräutern, die mit solchen vermeintlich schlechten Bedingungen gut zurecht kommen. Typische Pflanzen auf mageren Standorten sind: Schafgarbe, Färberkamille, Ringelblume, Kornblume, Wiesenflockenblume, wilde Möhre, Natternkopf, Nelken, Herbstlöwenzahn, Spitzwegerich - insgesamt bis zu 60 Pflanzenarten, die viel mehr Tieren einen Lebensraum bieten als überdüngte Standorte.
Für die Herstellung von Blühwiesen wird nun die oberste Bodenschicht abgetragen und mit einer speziellen Substrat-Mischung aufgefüllt. So wird ein magerer Standort hergestellt, der für eine besonders große Artenvielfalt, wie sie in Blühwiesen vorkommen soll, notwendig ist. Als Einsaat verwenden wir eine auf den Standort abgestimmte Wildblumenmischung. Und dadurch, dass nicht gedüngt wird, erscheint auch die Entwicklung der Blühwiesen manchmal etwas zeitverzögert... Dafür ist der Blütenreichtum besonders groß, und die Freude darüber... nicht nur für uns, sondern auch für die Tierwelt!
1. Förderung der Biodiversität
Blühwiesen bieten Lebensraum für viele Insektenarten wie Bienen, Schmetterlinge, Käfer und andere Bestäuber. Blühwiesen enthalten eine Vielzahl an Pflanzenarten, was wiederum die Nahrungskette für Vögel und Kleintiere stärkt. Mehrmähdige Wiesen sind oft artenarm, da häufiges Mähen viele Pflanzenarten verdrängt.
2. Bestäuberschutz
In Städten sind Blühwiesen wichtige Rückzugsorte für Wildbienen und andere Bestäuber, deren Lebensräume auf dem Land durch Monokulturen und Pestizide bedroht sind. Ohne Bestäuber geraten auch städtische Ökosysteme aus dem Gleichgewicht.
3. Klimaanpassung und Kühlung
Blühwiesen speichern mehr Wasser und kühlen durch Verdunstung die Umgebung - ein Vorteil in überhitzten Städten. Sie verbessern das Mikroklima und tragen zur Luftreinigung bei.
4. Erholung und Umweltbildung
Blühwiesen bieten ästhetischen Genuss und fördern das Naturerleben in der Stadt. Menschen können dort Insekten beobachten, Pflanzen kennenlernen und sich entspannen - das stärkt das Umweltbewusstsein.
5. Geringerer Pflegeaufwand
Blühwiesen müssen nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, was Ressourcen spart. Rasen erfordert häufige Pflege (10-12 mal mulchen pro Jahr), was Energie, Zeit und Kosten verursacht.
Warum sieht diese Fläche so ungepflegt aus?
Die Blühwiesen werden von speziell geschultem Personal der beauftragten Gartenbauunternehmen, unserem Partner Natur.Werk.Stadt oder der Holding Graz gepflegt.
Damit das Saatgut aussamen kann, wird die Blühwiese nach der Hauptblüte gemäht und das Mähgut vor Ort liegen gelassen. So kann die Pflanzenvielfalt über Jahre erhalten werden. Übrig gebliebene Stängel und ungemähte Ecken bieten den Insekten und Spinnentieren ein Versteck. Der grüne Rasen, wie ihn unser Auge gewohnt ist, wird somit teilweise durch bunte, blühende und jahreszeitenbedingt auch verwildert, ungepflegt oder schmutzig wirkende Biodiversitätsflächen ersetzt, die jedoch einen kleinen Beitrag zum Überleben von Insekten und anderen Tieren in der Stadt leisten.
Warum wird nach dem Mähen das Gras auf der Wiese gelassen?
In naturnahen Flächen (z. B. Blühwiesen, Wildstaudenbeete) ist es gezielt gewollt, Schnittgut kurzzeitig liegen zu lassen:
- Samen fallen aus und sorgen für natürliche Vermehrung.
- Insekten und Kleintiere können sich aus dem Schnittgut retten.
- Nährstoffrückführung in geringem Maß kann sinnvoll sein - besonders auf mageren Standorten.
Auf städtischen Flächen werden Standorte mit einem einfachen modularen Unterbau (befestigter Standort, ggf. Absicherung) für Imker:innen zur Verfügung gestellt, um ihre Bienenstöcke aufstellen und betreiben zu können. Bereits umgesetzt wurde ein Emblem für den „Honig aus Graz".











