Die Stadt Graz setzt mit der Kampagne "Mutmacher" ein Zeichen gegen Gewalt an Kindern. Seit 2020 werden kleine Stofftiere an Kinder in Grazer Volksschulen verteilt, um sie zu ermutigen, über schwierige Erlebnisse zu sprechen. Die Initiative ist wichtiger denn je, da die Zahlen von Betretungsverboten und Gefährdungsmeldungen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Im Jahr 2025 wurden bereits 1551 Gefährdungsmeldungen registriert. Die Mutmacher werden aus Stoffresten in sozialökonomischen Betrieben gefertigt und sollen Kindern in schwierigen Situationen Mut machen. Die Kampagne wird vom Kinderschutz-Zentrum Graz begleitet und ist ein Vernetzungsprojekt des Amtes für Jugend und Familie. Rund 19.000 Mutmacher wurden bereits verteilt. Unterstützung und Hilfe sind rund um die Uhr unter 0316/872 3043 erreichbar.

Vor bald vier Jahrzehnten, am 20. November 1989, wurde von der UNO die Kinderrechts-Konvention beschlossen. Dieses Übereinkommen sichert Kindern grundlegende politische, soziale, ökonomische, kulturelle und bürgerliche Rechte zu. Und sie hält fest, dass sie vor jeder Form von körperlichem oder psychischem Missbrauch geschützt werden müssen. Ebenfalls im Jahr 1989 wurde in Österreich Gewalt in der Erziehung verboten. „Trotzdem gehört das Thema leider immer noch nicht der Vergangenheit an. Nach wie vor sind Kinder von Gewalt in der Familie betroffen, und zwar in allen Altersstufen, Kulturen und sozialen Bevölkerungsgruppen", sagt Jugend- und Familienstadträtin Claudia Unger.
Zahl der Betretungsverbote und Gefährdungsmeldungen steigt
Kinderschutz muss ein zentrales Anliegen jeder Gesellschaft sein, da Kinder zu den verletzlichsten Gruppen zählen. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2020 von der Stadt Graz die Mutmacher-Kampagne ins Leben gerufen. Mit kleinen, kuscheligen Wesen, den sogenannten Mutmachern, sollen Kinder ermutigt werden, über erlebte Gewalt zu reden - und die Menschen in Graz für den Kinderschutz sensibilisiert werden.
„Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Projekt heute wichtiger denn je ist", betont Stadträtin Unger. So wurden im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viele Betretungsverbote ausgesprochen wie im Jahr 2019 (siehe Statistik). Und auch die Gefährdungsmeldungen nehmen seit Jahren kontinuierlich zu. 1551 waren es im Jahr 2025. „Das heißt aber auch: 1551 Mal wurde hingeschaut, 1551 Mal hat eine aufmerksame Person sich um das Kindeswohl gesorgt", sagt Ingrid Krammer, die Leiterin des Amts für Jugend und Familie, „mit den Mutmacher:innen hoffen wir einen Beitrag für mehr Aufmerksamkeit zu leisten und Kinder zu ermutigen über Probleme zu sprechen."
In Zahlen gesprochen
2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025
Betretungsverbote* 104 156 207 216 244 194 244
Meldungen 945 1.010 1.051 1.116 1.311 1.461 1.551
Gefährdungsabklärungen 569 542 578 625 639 689 753
*mit Kindern im Haushalt/bei denen Kinder involviert waren
19.000 Mal Kindern Mut gemacht
Seit Beginn der Kampagne wurden mehr als 19.000 Mutmacher verteilt. Heuer werden sie an mehr als 2700 Kinder in 110 dritten Klassen in 38 Grazer Volksschulen ausgeliefert. Die Stofftiere werden von den drei sozialökonomischen Betrieben tag.werk, Jugend am Werk und heidenspass aus Stoffresten gefertigt. „Wir wollen ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Kindern setzen. Gleichzeitig war uns auch wichtig, dass die Mutmacher eine positive Bedeutung für die Kinder haben und ein liebevoller Begleiter für sie und ihre Familien sind", erklärt Unger, „Mut braucht man in vielen Situationen: vor Schularbeiten, schwierigen Entscheidungen oder wenn es eben darum geht gewisse Dinge anzusprechen. Genau dann können die Mutmacher eine Hilfe sein." Die Patronanz für die Initiative haben seit Beginn die beiden Klinikvorstände Ernst Eber (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde) und Holger Till (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie) übernommen. Stellvertretend für die Grazer Kinderschutz-Einrichtungen wird die Kampagne vom Kinderschutz-Zentrum Graz begleitet.
Für Krammer ist die Initiative auch ein wichtiges Vernetzungsprojekt des Amtes für Jugend und Familie: „Kooperation ist eines der zentralen Prinzipien in unserer fachlichen Arbeit, denn soziale Arbeit gelingt nur im Miteinander. Die enge Zusammenarbeit der Kinder- und Jugendhilfe mit Eltern, Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Ärzt:innen und vielen anderen Partner:innen entscheidet maßgeblich darüber, wie gut Familien beim Kinderschutz unterstützt werden können." An der Mutmacher-Kampagne ist auch die Abteilung für Bildung und Integration beteiligt.
Wichtig: Der Bereitschaftsdienst der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Graz ist rund um die Uhr unter 0316/872 3043 erreichbar.
