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Löffelweise Gleichberechtigung

Traditionelles Benefizsuppenessen der Katholischen Frauenbewegung im Rathaus

12.03.2026

Im Grazer Rathaus fand am 12. März das traditionelle Benefizsuppenessen der Katholischen Frauenbewegung statt. Die Veranstaltung dient der Unterstützung des Projekts "Seeds", das sich für die Selbstbestimmung von Adivasi-Frauen im indischen Jharkhand einsetzt. Die Adivasi sind eine indigene Bevölkerungsgruppe, die unter den Folgen von Klimakrise, Armut und patriarchalen Strukturen leidet. "Seeds" leistet seit 1995 Aufklärungsarbeit und unterstützt Frauen dabei, ihre Rechte einzufordern. Rund 3.000 "Barefoot Counselors" sind aktuell im Einsatz, um Frauen in 700 Dörfern zu unterstützen. Die Katholische Frauenbewegung initiiert seit 1958 die Aktion "Familienfasttag", um durch Spenden die Arbeit von Frauenorganisationen in Asien, Lateinamerika und Afrika zu fördern. Der Erlös aus dem Suppenessen fließt direkt in das Projekt "Seeds" und unterstützt so die Stärkung von Frauen vor Ort.

Bgm.in Elke Kahr eröffnete mit Mitgliedern der Katholischen Frauenbewegung Stmk. (neben ihr die Vorsitzende Lydia Lieskonig) das traditionelle Benefizsuppenessen im Rathaus.Ließen es sich schmecken: GR Kurt Luttenberger, Christopher Fröch (Büro StR Krotzer), die GRinnen Miriam Herlicska und Christine Braunersreuther (v. r.).Qual der Wahl: Gulasch-, Fritatten- oder Gemüsesuppe?Zahlreiches Infomaterial zu den Aktionen der Katholischen Frauenbewegung lag auf.

Man muss viele Samen säen, bis das zarte Pflänzchen Gleichberechtigung kraftvoll zu blühen beginnt. Diese Samen sät "Seeds" seit vielen Jahren in Indien. Das Ziel: Adivasi-Frauen zur Selbstbestimmung zu verhelfen. Ein Projekt, das auch die Katholische Frauenbewegung als Partner:innenorganisation im Rahmen der Aktion "Familienfasttag" engagiert unterstützt. So verwandelte sich das Baumkircherzimmer am heutigen 12. März wie jedes Jahr in der Fastenzeit wieder zur kommunikativen Suppenküche. Neben Bürgermeisterin Elke Kahr waren auch viele Stadtsenatsmitglieder und Gemeinderät:innen gekommen, um löffelweise Zukunft zu spenden. "Solidarität und Unterstützung für Frauen über die Grenzen hinweg hat eine lange Tradition in der Katholischen Frauenbewegung. Mit dem Benefizsuppenessen wird ein starkes Zeichen für mehr Selbstständigkeit und Gleichberechtigung gesetzt", hob die Bürgermeisterin die Bedeutsamkeit dieser Aktion hervor. Wichtig sei vor allem der Austausch, das miteinander ins Gespräch kommen, das Netzwerken, betonte auch Lydia Lieskonig, seit mittlerweile zwölf Jahren ehrenamtliche Leiterin der Aktion und Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Steiermark. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen tauchte sie den Schöpfer in die dampfenden Kessel. Neben der Fritattensuppe - der Lieblingssuppe der Grazer Bürgermeisterin - standen auch eine Gulasch- und eine vegane Gemüsesuppe zur Wahl. Eine willkommene Stärkung vor der Gemeinderatssitzung.

Die Adivasi

Die nordindische indogene Bevölkerung "Adivasi" bewohnt die Wald- und Bergregionen Indiens, darunter des östlichen Bundesstaates Jharkhand. Obwohl die Adivasi im rohstoffreichsten Gebiet des Landes (Kohle- und Erzvorkommen) wohnen, leben sie am Rand der Gesellschaft. Durch die gravierenden Eingriffe in ihre Naturräume werden die Auswirkungen der Klimakrise verschärft, Dürren und Überschwemmungen verhindern, dass sich die Menschen selbst versorgen können. Viele werden dazu gedrängt, in entfernte Städte zu ziehen, wo sie ausgegrenzt und diskriminiert werden. Die zurückbleibenden Frauen müssen sich nicht nur um die Kinder und die älteren Menschen, sondern auch um die Landwirtschaft kümmern. Patriarchale Strukturen hindern sie an gesellschaftlicher und politischer Teilhabe, Alkoholismus unter den Männern führt häufig zu häuslicher Gewalt. 

"Seeds" als Musterbeispiel an Partizipation

"Seeds" wurde 1995 ins Leben gerufen und ist seit 2006 Partner:innenorganisation der Katholischen Frauenbewegung. Bevor "Seeds" begann, mit Adivasi-Frauen in Jharkhand zu arbeiten, wussten diese nichts von Frauenrechten in Indien. Sie erachteten die Benachteiligung und Gewalt, die ihnen widerfuhr, als Schicksal. Erst durch niederschwellige Bildungsangebote und Aufklärungsarbeit lernten sie ihre Rechte und wie sie diese einfordern können, kennen. Engagierte Adivasi-Frauen, die sogenannten "Barefoot Counselors", informieren als "Role-Models" Frauen und auch Männer im Sinne der Gewaltfreiheit und Gleichberechtigung. Und das äußerst erfolgreich: Rund 3.000 "Barefoot Counselors" sind im Einsatz, bis jetzt hat man etwa 3.500 Frauen in 700 Dörfern erreicht. So werden u. a. Frauenforen auf Dorfebene gebildet - geschützte Räume, um sensible Themen wie Partnergewalt zu verhandeln und nach Lösungen zu suchen.

Die Katholische Frauenbewegung

Die Aktion "Familienfasttag" wurde 1958 von der Katholischen Frauenbewegung im Kontext der Spaltung Koreas gegründet und "weil man sich in dieser Zeit noch gut an den Hunger und die Not des Zweiten Weltkrieges erinnern konnte", so Lieskonig. Das Ziel: am jeweils zweiten Freitag in der Fastenzeit nur Suppe zu essen und das damit Ersparte zu spenden. Der Erlös floss nicht nur nach Südkorea, sondern auch nach Thailand, Laos, auf die Philippinen und nach Taiwan, in den 70er-Jahren fokussierte man sich auf Indien. Im Laufe der Zeit wurde aus der ehemaligen Hungerhilfe eine starke Unterstützungsinitiative auf Augenhöhe - von der Stärkung von Frauenorganisationen, der Berufsausbildung und der Förderung der Frauenrechte über Gesundheitsprogramme und Sozialarbeit in Slums bis hin zur Förderung ökologischer Landwirtschaft, der Stärkung der kulturellen Identität und der Vernetzung. Unter dem Motto "Teilen spendet Zukunft" organisieren heute viele Pfarren die alljährlichen Spendenaktionen und unterstützen so rund 70 Projekte in Asien, Lateinamerika und Afrika.

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