
Mit der Unterzeichnung des Dorit-Wiener-Gedenkstipendiums setzen die Stadt Graz und die Universität Graz ein starkes Zeichen der Erinnerung und der Zukunftsperspektive. Das Stipendium ist der verstorbenen Grazer Lehrerin Dorit Wiener gewidmet, die beim Amoklauf im Juni 2025 ums Leben gekommen ist. Im Grazer Rathaus wurde die Vereinbarung nun offiziell besiegelt, im Beisein ihrer Familie, die an diesem besonderen Termin teilgenommen hat.
Das neue Gedenkstipendium knüpft an die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Graz und Montclair (New Jersey, USA) an und soll Studierenden die Möglichkeit geben, internationale Erfahrungen zu sammeln und interkulturellen Austausch aktiv zu leben. Es ist in erster Linie für Lehramtsstudierende konzipiert.
Bürgermeisterin Elke Kahr betonte im Rahmen der Unterzeichnung die große Wirkung, die Dorit Wiener auf ihr Umfeld hatte: "Ihre Frau beziehungsweise Mutter war eine besondere Frau. Das haben wir von vielen Seiten in den letzten Monaten gehört. Sie konnte vielen Menschen etwas mitgeben. Und da sie selbst ein Auslandsjahr in Montclair absolviert hat, wird dieses Gedenkstipendium ganz sicher inhaltlich in ihrem Interesse sein. Wir hatten im Rathaus erst vor wenigen Wochen Besuch von einer Schulklasse aus New York. Der offene und interessierte Ansatz der amerikanischen Schülerinnen und Schüler war etwas Besonderes und Bereicherndes."
Den Gedanken der Menschlichkeit weitertragen

Peter Riedler, Rektor der Universität Graz, unterstrich mit seinen Worten, welche Werte durch das Stipendium sichergestellt werden sollen: "Mit dem Dorit-Wiener-Gedenkstipendium verbinden die Stadt Graz und Universität Graz Erinnerung mit Zukunft: Wir eröffnen unseren Studierenden die Möglichkeit, internationale Erfahrungen zu sammeln, Horizonte zu erweitern und den Gedanken von Menschlichkeit, Bildung und Austausch weiterzutragen. Zugleich baut dieses Stipendium auf dem langjährigen Forschungs- und Studierendenaustausch mit Montclair auf und stärkt eine Partnerschaft, die für Offenheit und Verständigung über die Grenzen Europas hinaussteht."
Für die Familie Wiener ist das Stipendium ein bedeutender Schritt, der die Erinnerung an Dorit Wiener mit einem positiven Ausblick verbindet. Ihr Ehemann Dietmar Wiener fand bei der Unterzeichnung persönliche Worte: "Es fällt mir immer noch schwer, daran zu denken. Aber zumindest ist es heute ein angenehmer Anlass zurückzudenken und eine Anerkennung für Dorits Arbeit. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Die Stadt Graz hat alles getan, um diese Sache für uns irgendwie erträglich zu machen. Unsere Familie steht eng zusammen und alles weitere wird die Zeit und die positive Erinnerung an Dorit besorgen."
Den Horizont erweitern
Auch ihr Sohn Peter Wiener unterstrich die Bedeutung von Offenheit und internationalen Erfahrungen. Dies seien Werte, die seine Mutter besonders geprägt haben: "Wir haben die USA natürlich auch bereits besucht. Es war meiner Mutter immer ein Anliegen, dass wir unseren Horizont erweitern und etwas von der Welt sehen. Darum ist der interkulturelle Austausch, der zentraler Bestandteil dieses Stipendiums ist, auch besonders wichtig. Durch diese Möglichkeit soll jemand weltoffener werden und einen Input für das restliche Leben mitnehmen."
Ein Videostatement des Rektors der Montclair State University, Jonathan Koppell, unterstreicht zudem die internationale Dimension des Stipendiums und die enge Verbindung zwischen den Partnerinstitutionen: "Wir ehren das Leben von Dorit Wiener mit diesem Stipendium. Dorit war eine eindrucksvolle Lehrerin, die einen nachhaltigen Eindruck bei all ihren Student:innen hinterließ. Ihr tragischer Verlust war nicht nur in Graz, sondern auch hier in Montclair zu spüren. Dieses Stipendium wird sicherstellen, dass Dorits Andenken und ihre Werte immer erhalten bleiben."
Mit dem Dorit-Wiener-Gedenkstipendium entsteht damit ein nachhaltiges Zeichen: Es erinnert an eine engagierte Pädagogin und trägt zugleich dazu bei, jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen und den interkulturellen Dialog weiter zu stärken.
Lebenslauf von Dorit Wiener (30.11.1965 – 10.06.2025)
Studium
Am 07.10.1983 begann Mag.a Dorit Wiener ihr Lehramtstudium an der Karl-Franzens-Universität in Graz, welches sie mit ihrer Sponsion am 28.06.1989 zu einem erfolgreichen Abschluss brachte. In dieser Zeit eignete sie sich nicht nur das nötige Wissen für den beruflichen Alltag als Lehrerin an, sondern sammelte auch außerhalb von Österreich wertvolle Erfahrungen. Besonders prägend hierfür war ein Auslandsjahr, welches sie von September 1985 bis Oktober 1986 in Montclair, NJ, USA verbrachte. Dieser Aufenthalt und die anschließende USA-Rundreise begründeten ihre Weltoffenheit und ihre Reiselust. Mit einigen Bekanntschaften aus dieser Zeit verband sie eine lebenslange Freundschaft.
Umso passender ist es, dass nun auch künftige Generationen in ihrem Namen ähnliche Erfahrungen machen können.
Schullaufbahn
Die sehr engagierte und sowohl bei Schüler:innen als auch Lehrerkolleg:innen beliebte Mag.a Dorit Wiener unterrichtete seit 1995 die Fächer Englisch und Deutsch am BORG-Dreierschützengasse, nachdem sie ihre ersten Jahre als Lehrerin in Eisenerz verbracht hatte. Sie zeichnete sich nicht nur durch eine hohe Fachkompetenz aus, sondern auch durch die außergewöhnliche Fähigkeit, ihr Wissen an die Schüler:innen weiterzugeben. Als Klassenvorständin gelang es ihr stets, ein Vertrauensverhältnis zu ihren Schüler:innen aufzubauen und diese zu herausragenden Leistungen zu motivieren. Ihr unermüdlicher Einsatz ermöglichte vielen jungen Menschen am BORG-Dreierschützengasse, auch denjenigen mit nicht deutscher Erstsprache, erst den Weg zur Reifeprüfung.
Neben der Vermittlung von Wissen und Können war ihr die Persönlichkeitsbildung ihrer Schüler:innen ein persönliches Anliegen. Es gelang ihr immer wieder, die jungen Menschen durch ihr persönliches Vorbild mit hoher sozialer Kompetenz auszustatten. In vorbildlicher Weise arbeitete sie besonders im erzieherischen Bereich mit den Eltern zusammen und es gelang ihr dadurch oft, Probleme schon im Ansatz zu erkennen und zu lösen.
Neben ihrer Unterrichtstätigkeit arbeitete Dorit Wiener engagiert in den Fachgruppen mit und auch im Koordinationsteam für die VWA brachte sie sich ein. Hervorzuheben ist auch ihre aktive Mitarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit für die Schule. Zu alledem hatte sie als Personalvertreterin stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Kolleg:innen und war mit ihrer verständnisvollen und warmherzigen Art eine ganz wichtige Ansprechperson.
Lehrerin zu sein und junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten war für sie nicht nur ein Beruf, sondern vielmehr eine Berufung. Tagtäglich gab sie alles für ihre Schüler:innen und stellte sich bis zuletzt in jeder Lage schützend vor sie.

