Die Neugestaltung der Volksschule Fischerau nimmt konkrete Formen an: Der Architekturwettbewerb für den Neubau der Schule ist entschieden. Aus insgesamt 82 europaweiten Einreichungen ging ein Entwurf von Thomas Vielnascher aus Niederösterreich als Sieger hervor.
Das Wettbewerbsergebnis wurden heute im Grazer Rathaus von Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner, Stadtbaudirektor Bertram Werle, dem Leiter der Abteilung für Bildung und Integration Günter Fürntratt sowie dem Siegerarchitekten Thomas Vielnascher präsentiert. Im Rahmen der Vorstellung wurden die Planungen erläutert und die zentrale Bedeutung des Projekts für die zukünftige Entwicklung der Grazer Bildungsinfrastruktur hervorgehoben. Gemeinsam präsentierten sie die Pläne und betonten die Bedeutung dieses Projekts für die Weiterentwicklung des Bildungsstandorts in Gösting.
Wettbewerb und Zielsetzung
Auf Basis der umfassenden Projektentwicklung schrieb die Stadtbaudirektion den EU-weit offenen Wettbewerb im Auftrag der Abteilung für Bildung und Integration aus, in Kooperation mit der Kammer der Ziviltechniker:innen für Kärnten und Steiermark. Federführend organisierten und begleiteten Hochbaureferats-Leiter Martin Bukovski und Projektleiterin Anita Grbic Junuzovic das Verfahren.
Ziel war die Planung eines zukunftsfähigen Neubaus für die Volksschule Fischerau: Die bestehende Schule soll vollständig neu errichtet und deutlich erweitert werden: Künftig umfasst der Standort 16 Klassen sowie zwei Partner:innenklassen und einen Ganztagesbereich. Damit kann für die kommenden Jahre der erhöhte Bedarf gedeckt werden und die Kapazität steigt um mehr als 60 Prozent von rund 250 auf bis zu 416 Schüler:innen, auch die Zahl der Lehrpersonen erhöht sich entsprechend.
Das prämierte Projekt

Der Siegerentwurf überzeugte durch eine klare und funktionale Struktur sowie eine hohe Qualität in der Einbindung in den Standort. Ein annähernd quadratisches Sockelgeschoß entlang der Augasse bildet die Basis des Gebäudes, darüber entwickeln sich zwei Obergeschoße in einem L-förmigen Baukörper. Die Turnsäle sind im Untergeschoß angeordnet.
Charakteristisch ist die großzügige Dachterrasse mit Dachgarten im Nordwesten, die über eine Außentreppe mit den Freiflächen verbunden ist und in ihrer Höhenentwicklung auf den angrenzenden Bestand reagiert. Die Terrassen sind integraler Bestandteil des pädagogischen Konzepts: Lernzonen öffnen sich direkt zu gedeckten Außenbereichen und gehen in geschützte Gartenterrassen über.
Die Jury unter Vorsitz von Christine Konrad, hebt insbesondere die Qualität der Lernlandschaften hervor: Diese sind gut belichtet, gleichwertig an alle Klassen angebunden und direkt an den Außenräumen orientiert. Die Ausrichtung nach Norden und Westen wird auch unter klimatischen Gesichtspunkten positiv bewertet. Im Inneren setzt der Entwurf auf Übersichtlichkeit und kurze Wege. Ein eingeschoßiges Atrium im Erdgeschoß zoniert die allgemeinen Funktionen sowie die Ganztagesschule in ruhigere und öffentlichere Bereiche. Die zentrale Hauptstiege bildet ein helles, räumliches Herzstück und verbindet die Funktionen effizient. Aula, Garderoben, Ganztagesbereiche, Verwaltung, Mehrzweckräume sowie die Partner:innenklassen sind direkt angebunden, die Bibliothek fungiert als verbindendes Element.
Die vier Cluster sind auf zwei Obergeschoße verteilt. Neben Klassen-, Gruppen- und Teamräumen bildet jeweils eine durchgehend natürlich belichtete Lernzone das Zentrum. Ergänzt werden diese durch Begegnungszonen, Sitztreppen, Werkraum, gut belichteten Sanitärbereichen sowie zusammenlegbare Turnsäle im Untergeschoß. Dort wird sogar der Erschließungsgang Teil des von oben belichteten Bewegungsraums und bietet Platz für Tischtennis, Bouldern und freies
Stimmen zum Projekt
Bürgermeisterin-Stellvertreterin Judith Schwentner: „Als ich selbst zur Schule gegangen bin, hätte ich mir genau solche Orte gewünscht – mit Grün statt grauer Flächen, mit Platz zum Durchatmen und mit einem Umfeld, indem Lernen und Gemeinschaft Spaß machen. Die neue VS Fischerau zeigt, welchen Anspruch wir auch in budgetär schwierigen Zeiten für unsere Schulen in Graz haben. Mit begrünten Dächern, die kühlen, mit effektiver Regenwassernutzung und mit Photovoltaik setzen wir auf hohe Qualität 0150 für die Kinder, für die Lehrer:innen und für die Stadt insgesamt."
Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner: „Meine Vision ist, dass Graz eine Stadt ist, in der alle Kinder ihre Talente bestmöglich entfalten können. Mit unserem Schulausbauprogramm GRIPS schaffen wir Raum für moderne Pädagogik und bessere Bildungschancen für unsere Kinder. Der Neubau und die damit verbundene Erweiterung der VS Fischerau, verfolgt konsequent dieses Ausbauprogramm und stellt sicher, dass es genug moderne Bildungsräume gibt, in denen sich unsere Kinder wohlfühlen und positiv entfalten können. In Zeiten knapper Budgets, kämpfe ich mit umso mehr Nachdruck um die finanziellen Mittel, damit der Ausbau rasch umgesetzt werden kann. Gerade bei unseren Kindern darf nicht gespart werden. Denn jede Investition in Bildung ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt."
Stadtbaudirektor Bertram Werle: „Das qualitätsvolle Planungsverfahren hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Wettbewerbe für gute Architektur sind - aus 82 Einreichungen konnte das bestmögliche Projekt ausgewählt werden. Besonders erfreulich ist, dass auch der Grazer Fachbeirat in der Jury vertreten war und damit zusätzliche Expertise eingebracht hat. Der Entwurf überzeugt durch seine konsequente Holzbauweise und fügt sich städtebaulich sehr gut in das Umfeld im Sinne des Raumordnungsprofils ein. Gleichzeitig schafft er qualitätsvolle, gut gestaltete und beschattete Außenräume und geht sensibel auf den bestehenden Standort mit Kinderkrippe und Kindergarten ein."
Abteilungsleiter Günter Fürntratt: „Das individuelle pädagogische Konzept der Schule war leitend, Pädagog:innen vor Ort wurden selbstverständlich in die Entscheidungsbildung eingebunden, der erfolgreiche Wettbewerbsentwurf bietet Lehrer:innen und Schüler:innen modernste Bildungszonen zur Unterstützung in den verschiedensten Lernsituationen - wie Forschung, Kreativität, Kommunikation und vieles mehr. Er macht zudem förderliche Inklusion im Alltag möglich. Die Bildungsräume im Schulgebäude werden ergänzt durch modern gestaltete, attraktive Außenräume. Für mehr Freude und Erfolg am Lernen und Lehren!"
Siegerarchitekt Thomas Vielnascher: „Meine Vision ist eine Schule, die weit mehr ist als ein Lernort - ein Raum für Begegnung, Freude und gelebte Inklusion. Helle Innenräume stehen in direkter Verbindung zu Gärten und Außenräumen und erweitern die Lernlandschaften ins Freie. Gleichzeitig folgt der Entwurf einem klaren ökologischen Ansatz: Holzbauweise, Erhalt des Baumbestands und ein sparsamer Umgang mit Flächen verbinden Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit. So soll ein zukunftsfähiger Ort entstehen, der Lernen und Alltag bestmöglich miteinander verknüpft."





Nachhaltigkeit im Fokus
Das Projekt folgt einer klaren ökologischen Strategie. Die Konstruktion ist als Holzskelettbau mit hinterlüfteter Holzfassade und hohem Vorfertigungsgrad konzipiert. Diese Bauweise ermöglicht geringe graue Emissionen und eine gute Rückbaubarkeit.
Zusätzlich kommen ökologische Dämmstoffe, hoch wärmedämmende Verglasungen sowie Sonnenschutzmaßnahmen zum Einsatz. Maßnahmen im Bereich Regenwassermanagement – darunter begrünte Dächer, Speicherung und Nutzung von Regenwasser – ergänzen das Konzept. Die Dachflächen werden zudem für Photovoltaik genutzt. Insgesamt erreicht das Projekt laut Jury sehr gute Werte bei Energieeffizienz, Primärenergiebedarf und CO₂-Emissionen.
Projektdetails
- Standort: Augasse 81, 8051 Graz
- Kapazität: 16 Klassen, 2 Partner:innenklassen
- Nutzfläche: ca. 4.000 m²
- Gesamtkosten: 32,2 Mio. (Stand 12/2025)
- Baustart geplant: 2028 (vorbehaltlich der Zustimmung im Gemeinderat)
- Geplante Fertigstellung: 2030
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten
Alle eingereichten Projekte sind vom 21. April bis 8. Mai 2026 im Bauamtsgebäude der Stadt Graz, Europaplatz 20
(5. Stock) jeweils von 8.30 bis 14.30 Uhr öffentlich ausgestellt.





