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Griesplatz neu: von Kopf bis Fuß durchdacht

11.05.2026
Erster Platz! Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (2.v. r.), Stadtbaudirektor Bertram Werle (r.) und Stadtplanungschef Bernhard Inninger (l) gratulierten Rita Engl (2. v. l.) vom Siegerbüro DnD zum besten Entwurf.

Der Gestaltungswettbewerb für den Griesplatz neu ist geschlagen. Das Siegerprojekt von DnD Landschaftsplanung zeigt, wie aus einer großen Asphaltfläche wieder ein vielfältiger Aufenthaltsraum wird.

Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, Stadtbaudirektor Bertram Werle und Stadtplanungschef Bernhard Inninger holten heute in der Sterngasse 12 gleich in direkter Nachbarschaft des Griesplatzes Rita Engl vom Büro DnD Landschaftsplanung ZT GmbH aus Wien vor die Bühne: Es konnte nämlich unter 44 Einreichungen für den EU-weit offenen, anonymen Gestaltungswettbewerb mit seinen Ideen bei der Jury punkten.

Seit Jahrhunderten ist der Griesplatz ein zentraler Treffpunkt westlich der Mur. Er ist Verkehrsknoten, Marktplatz, Treffpunkt, Transitraum und sozialer Anker im Bezirk Gries. Das Viertel ist geprägt von kleinteiligem Gewerbe, Gastronomie, Vereinen, Kultur- und Clubszene sowie einer großen sozialen und kulturellen Vielfalt. Gleichzeitig ist er ein Ort mit großem Veränderungsdruck: Rund 16.400 Quadratmeter Fläche werden heute stark vom Verkehr dominiert, täglich queren etwa 18.000 Fahrzeuge den Platz.

Versiegelung, Hitze und Lärm bestimmen das Bild, zentrale Bereiche wie die Mariensäule sind kaum als Aufenthaltsraum erlebbar. Dass der Platz seit den 1990er-Jahren nicht grundlegend neugestaltet wurde, unterstreicht den Handlungsbedarf.

Die Aufgabe

Ziel des Wettbewerbs war es, den Platz wieder zu einem lebendigen, klimaangepassten und sozialen Stadtraum zu machen. Der motorisierte Verkehr soll reduziert, der Fuß- und Radverkehr gestärkt und neue Grünflächen mit Beschattung geschaffen werden. Gleichzeitig werden der Marktplatz als Treffpunkt sowie konsumfreie Aufenthaltsbereiche gefestigt. Auch Orientierung, Sicherheit und Barrierefreiheit werden verbessert. Die Rolle der Mariensäule wird dabei neu gedacht und stadträumlich aufgewertet. Die Aufgabenstellung basierte auf intensiver Bürger:innenbeteiligung. Gewünscht wurden vor allem mehr Aufenthaltsqualität, sichere Wege, mehr Grün und Raum für Begegnung sowie ein Platz, der ganztägig nutzbar ist. Gerade im dicht besiedelten Bezirk Gries mit vergleichsweise wenig Freiraum kommt dem Griesplatz eine zentrale Bedeutung zu.

Griesplatz neu – mehr Grün, mehr Wasser ...Der "Kopf" im Norden des Griesplatzes"Soziales Programm" soll den Platz sicher beleben.

Erster Platz

Das Siegerprojekt „kopf . bauch . fuß" vom DnD Landschaftsplanung ZT GmbH
versteht den Griesplatz als „Platz der Vielheiten" und gliedert ihn in drei Bereiche: einen offenen „Kopf" im Norden, einen lebendigen „Bauch" in der Mitte und einen funktionalen „Fuß" im Süden. Ein durchgehendes „Rückgrat" verbindet diese Zonen und sorgt für Orientierung und Zusammenhalt.

Im Norden wird die Platzsituation neu gefasst und die Mariensäule stärker und an einem anderen Platz in Szene gesetzt. Der zentrale Bereich wird als grüner, schattiger Aufenthaltsraum mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten gestaltet, während im Süden die Mobilitätsfunktionen gebündelt werden. Ergänzt wird das Konzept durch zusätzliche 45 Baumpflanzungen, drei Wasserelemente und das Schwammstadt-Prinzip zur lokalen Kühlung und Regenwassernutzung.

Ein besonderer Fokus liegt auf sozialer Nutzung und Inklusion. Flexible Möblierung, neue Nutzungsformate und die Aktivierung von Leerständen schaffen Raum für vielfältige Aktivitäten und Begegnung. Gleichzeitig sorgt ein offenes Gestaltungskonzept mit klaren Sichtbeziehungen und guter Beleuchtung für mehr Sicherheit - ein Ansatz, den die Jury ausdrücklich als „Sicherheit durch Einsicht" hervorhebt.

In ihrer Begründung würdigt die Jury unter Vorsitz von Architektin Maria Auböck vor allem die klare Gliederung des Platzes, die hohe Qualität der Freiräume und die intensive Auseinandersetzung mit sozialen Fragestellungen. Auch die Ansätze zur Leerstandsaktivierung sowie die gestalterische Qualität wurden besonders hervorgehoben. Insgesamt schafft der Entwurf einen robusten und zugleich flexiblen Rahmen für die zukünftige Entwicklung des Platzes.

Vizebürgermeisterin Judith SchwentnerStadtbaudirektor Bertram WerleStadtplanungschef Bernhard InningerRita Engl von DnD Landschaftsplanung aus Wien

Die Stimmen

Vizebürgermeisterin Judith Schwentner: „Der Griesplatz ist das Herz von Gries. Jetzt bekommt er endlich wieder Luft zum Atmen. Die Menschen werden hier mehr Raum zum Durchatmen, Begegnen und Verweilen bekommen. Viel wurde über den Griesplatz in den letzten Jahrzehnten gesprochen, nun liegt erstmals ein Entwurf vor, der zeigt, wie aus einer großen Asphaltfläche wieder ein lebendiger Mittelpunkt für den Bezirk werden kann. Der Griesplatz bekommt damit endlich die Qualität, die sich die Menschen hier seit Jahren wünschen: mehr Grün, mehr Schatten, mehr Sicherheit und mehr Platz für Menschen statt für Verkehr."

Stadtbaudirektor Bertram Werle: „Mit rund 34.000 Einwohner:innen braucht der Bezirk Gries ein starkes Zentrum mit hoher Aufenthaltsqualität - eine urbane Mitte, die funktioniert und gerne genutzt wird. Der Griesplatz ist der letzte große Platz rechts der Mur ohne umfassende Neugestaltung. Mit dem Siegerprojekt haben wir nun die Chance, diesen wichtigen Stadtraum klimafit, lebendig und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit dem neuen Verkehrskonzept und der künftigen Straßenbahn wird die Reihe der neugestalteten Plätze rechts der Mur wie eine Perlenkette nun auch um den Griesplatz ergänzt."

Stadtplanungs-Chef Bernhard Inninger: „Plätze sind wichtig für eine Stadt, sie erfüllen vielfältige Ansprüche und ermöglichen der Stadtgesellschaft das „öffentliche Leben". Wir haben uns über die zahlreichen, überzeugend ausgearbeiteten Vorschläge aus Graz, Österreich und dem Ausland sehr gefreut. Die Preisträger, ganz besonders das Siegerprojekt, formulieren eine angemessene Gestaltungslösung, die Eleganz mit Funktion und mit Dauerhaftigkeit in Einklang bringt."

Rita Engl von Landschaftsplanung DnD: „Wir ordnen den Griesplatz in drei Bereiche und differenzierte Atmosphären: Im Norden bildet die neu platzierte Mariensäule einen zentralen Treffpunkt mit freiem Blick auf den Schlossberg; Kioske und Marktflächen stärken die soziale und städtische Nutzung. Die mittleren und südlichen Bereiche bieten vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten mit sozialem Mobiliar und einer tim-Station. 45 hochstämmige Neupflanzungen geben dem Platz den nötigen Schatten und ermöglichen gleichzeitig den Weitblick über den Platz. Das Leerstandskonzept gibt einen Ausblick wie die Belebung der Erdgeschoßzone in der Praxis aussehen könnte. Der Entwurf schöpft die Potenziale eines lebendigen Grätzlzentrums voll aus und verleiht dem Platz mit seinem vielfältigen Programm einen fast dörflichen Charakter."

Fakten im Überblick

  • Leitidee/Konzept:
    Der Griesplatz wird als „Platz der Vielheiten" gedacht und in drei klar strukturierte Bereiche gegliedert:
    - „Kopf" (Norden): offener Stadtraum mit Bezug zum Schloßberg und neu inszenierter Mariensäule
    - „Bauch" (Mitte): zentraler Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität, viel Grün und Platzaufweitungen
    - „Fuß" (Süden): Mobilitätsknoten mit Straßenbahn, Bus und Sharing-Angeboten
    Ein durchgehendes „Rückgrat" verbindet die Zonen und sorgt für Orientierung und stadträumliche Klarheit.
  • Projektgebiet: rund 16.400 m²
  • Bepflanzung/Klima: rund 45 neue Bäume ergänzen den Bestand, Silberlinden prägen die Platzaufweitungen, klimaresiliente Baumarten mit lichten Kronen für Durchblicke, Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips sowie Regengärten, offene Fugen und gezielte Verschattung schaffen von „Cooling Spots" und Verbesserung des Mikroklimas
  • Wasser & Kühlung: Brunnen im nördlichen Platzbereich, Trinkbrunnen im Süden und beim Kirchenbereich sowie interaktive Wasserelemente im zentralen Platzbereich
  • bringen gezielte Kühlung und Aufenthaltsqualität an heißen Tagen
  • Oberflächen: großformatige Platten für Gehbereiche, Pflasterflächen für Aufenthaltszonen, Granitkleinsteinpflaster für Übergänge und Baumscheiben, Materialien u. a. Granit und Betonstein mit Natursteinvorsatz
  • Ausstattung & Möblierung: einheitlich gestaltete Kioske mit Holzraster und Emaille-Paneelen im nördlichen Bereich mit transparenten, allseitig einsehbare Baukörper, WC und Trafo im selben Gestaltungssystem, modulares Sitzmmöbel aus Holz und Stahl (z. B. Plauderbank, Tribüne, Bücherbank), die flexibel nutzbar, inklusiv und kombinierbar sein sollen
  • Soziale Nutzung & Leerstand: Aktivierung von Leerständen durch „Grazer Boxen" (z. B. Kultur-, Lern-, Markt- und Begegnungsangebote), flexible Nutzungsmöglichkeiten in Innen- und Außenraum, Stärkung von sozialer Kontrolle und Belebung des Platzes
  • Sicherheit: Konzept „Sicherheit durch Einsicht" mit offenen Sichtbeziehungen, hochstämmigen Bäumen und niedriger Bepflanzung, einsehbarer Positionierung von Nutzungen und Infrastruktur, klarer Trennung von Bewegung und Aufenthalt sowie soziale Kontrolle durch Belebung und Nutzung
  • Beleuchtung: LED-Beleuchtung nach aktuellen ÖNORM-Standards auf Lichtmasten und differenzierte Lichtführung je nach Nutzungssituation
  • Verkehr & Mobilität: zentrale ÖV-Drehscheibe mit Bus und künftiger Straßenbahn, klare Priorität für Fußgänger:innen, gute Durchwegung und Orientierung, neue Radverbindung als Teil der Hauptradroute 7 (Radoffensive 2030), 4 m breiter, teilweise getrennter Radweg, Begegnungszone im nördlichen Bereich, Reduktion und Neuorganisation des motorisierten Verkehrs. Punktuelle Zufahrten und gebündelte Anlieferzonen für den Lieferverkehr
  • Barrierefreiheit: taktiles Blindenleitsystem gemäß Standards der Stadt Graz, Aufmerksamkeitsfelder und durchgängige Leitlinien sowie barrierefreie Wegeführung über den gesamten Platz.
  • Bürger:innenbeteiligung: Der Beteiligungsprozess zum Griesplatz lief über mehrere Jahre und wurde 2025 mit einem dreiwöchigen Planungsdialog direkt vor Ort intensiviert. Herzstück war ein auffälliger „knallroter Kiosk" am Griesplatz, der sich als Publikumsmagnet erwies und spontane Gespräche sowie direkte Rückmeldungen ermöglichte. Rund 200 Personen beteiligten sich vor Ort, dazu kamen Unternehmer:innen-Interviews, Fachgespräche und frühere Beteiligungsformate aus den Jahren 2015 bis 2018.
  • Errichtungskosten: rd. 10 Mio. Euro.

Wie geht es weiter?

Die Stadtplanung startet die Verhandlungen mit dem Siegerbüro sowie die vertiefende Entwurfsplanung. In diesem Schritt werden die Konzepte konkretisiert und die Unterlagen für die Einreichung nach dem Grazer Altstadterhaltungsgesetz vorbereitet. Im Anschluss folgen die Ausführungsplanung sowie die weiteren Genehmigungs- und Umsetzungsschritte.

Ausstellung in der Sterngasse 12 – einfach hinkommen!Ausstellung in der Sterngasse 12 – einfach hinkommen!

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten

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