Graz weitet Freisetzungen aus und bündelt Maßnahmen zu einem sichtbaren Mosaik gegen die Tigermücke
Mit der ersten Freisetzung steriler Tigermückenmännchen am Weblinger Gürtel startet das Grazer Gesundheitsamt den letzten Baustein des Tigermückenmanagement 2026. Nach dem österreichweit einzigartigen Pilotprojekt im Jahr 2025 wird die Sterile-Insekten-Technik heuer räumlich und zeitlich ausgeweitet. In den ausgewählten Gebieten in Liebenau/Jakomini und Straßgang werden über zehn Wochen hinweg jede Woche bis zu 100.000 sterile Tigermückenmännchen je Freisetzungsrunde ausgebracht. Die Männchen stechen nicht. Sie sollen sich mit wildlebenden Weibchen paaren, ohne dass daraus Nachwuchs entsteht.
Die Ausweitung ist Teil eines breiten Maßnahmenpakets. Öffentlichkeitsarbeit, Beratung vor Ort, Monitoring, BTI-Behandlung, ZikaSealTM in ausgewählten Regeneinläufen, die Einbindung von Schulen über die Tigermückendetektive und die aktive Populationskontrolle durch SIT greifen heuer konzertiert ineinander. Die ersten Bewährungsproben der Saison sind bereits bestanden: Das ZikaSealTM-System zeigte sich auch bei starken Regenereignissen funktional und bringt zusätzlich den positiven Nebeneffekt, Geruchsbelastungen im Bereich der Regeneinläufe zu reduzieren
Die Tigermücke lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme zurückdrängen. Entscheidend ist das Zusammenspiel: weniger Brutstätten im privaten und öffentlichen Raum, frühe Meldungen, laufende Kontrolle, technische Lösungen und wissenschaftlich begleitete Populationskontrolle. Graz setzt 2026 deshalb nicht auf einen Einzelweg, sondern auf ein Mosaik aus Maßnahmen, das vor Ort sichtbar wird.
Stimmen zum Projekt
„Die Tigermücke ist gekommen, um zu bleiben. Deshalb bleiben wir dran. Das Gesundheitsamt tut, was möglich ist - mit Monitoring, Beratung, technischen Lösungen und der sterilen Insekten-Technik. Aber wir bekommen immer wieder Rückmeldungen: Dort, wo mitgemacht wird, hilft es. Gleichzeitig brauchen etliche Stadtteile noch Unterstützung. Diese Aufgabe gelingt nur mit der Bevölkerung. Jeder entfernte Brutplatz hilft - und genau deshalb bleibt das Tigermückenmanagement auch in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt, " betont Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer die Wichtigkeit des Themas.
„Die Unterstützung durch die IAEA ist für Graz fachlich sehr wertvoll auch im Sinne einer überregionalen Zusammen, da gerade klima- und gesundheitsbezogene Herausforderungen nicht an der Stadtgrenze Halt machen. Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, gemeinsam mit der AGES und der IAEA auch in Österreich Produktionskapazitäten für sterile Tigermücken aufzubauen. Kürzere Transportwege bedeuten bessere Planbarkeit, hohe Qualität und mehr Handlungsspielraum für betroffene Städte und Regionen. Dafür braucht es den Willen des Bundes." Erklärt Dr.in Eva Winter, Leiterin des Gesundheitsamts der Stadt Graz.
„Heuer wird erstmals richtig sichtbar, wie das Mosaik der Maßnahmen aussieht: Tigermückendetektive, Aufklärung, Brutstättenvermeidung, ZikaSealTM und SIT sind keine Einzelaktionen, sondern ergänzende Bausteine die durch die Arbeit des Referats ineinander greifen. Wichtig ist, dass Anrainer unsere Kolleg:innen bei Besichtigungen unterstützen und den Zugang ermöglichen. Wir bemühen uns, alle Anfragen zu beantworten. Eine Schwalbe macht noch keinen gemütlichen Sommer - entscheidend ist die konsequente Arbeit über die ganze Saison und darüber hinaus," führt Erwin Wieser, Tigermücken-Experte des Gesundheitsamts der Stadt Graz, Stabstelle Strategischer Infektionsschutz aus.
SIT: Aus dem Pilot wird ein gezielter Ausbau
Die Sterile-Insekten-Technik, kurz SIT, setzt auf männliche Tigermücken. Diese werden durch Röntgenstrahlung sterilisiert und anschließend in definierten Gebieten freigesetzt. Paaren sie sich mit wildlebenden Weibchen, entsteht kein Nachwuchs. Da die männlichen Mücken nicht stechen, geht von ihnen keine direkte Belästigung aus.
Im Pilotjahr 2025 wurden in Graz in einem kleineren Untersuchungsgebiet wichtige Daten gesammelt. Die Ergebnisse zeigten, dass sterile Männchen unter Grazer Bedingungen konkurrenzfähig sind und die Methode im urbanen Raum wirksam eingesetzt werden kann. Auf dieser Grundlage erfolgt 2026 die Ausweitung: Die Gebiete werden vergrößert, die Freisetzungen laufen über einen längeren Zeitraum, und der Effekt soll dadurch nachhaltiger werden.
Fakten zur Freisetzung 2026
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Bereich |
Information |
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Start |
Juni 2026, erste Freisetzung am Weblinger Gürtel |
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Methode |
Freisetzung steriler männlicher Tigermücken; Männchen stechen nicht |
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Ausweitung |
größere Gebiete und längere Freisetzungsdauer als im Pilotjahr 2025 |
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Dauer je Gebiet |
über zehn Wochen hinweg |
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Menge |
200.000/Woche |
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Ziel |
Reduktion der Fortpflanzung und damit der lokalen Population |
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Einordnung |
SIT ersetzt keine anderen Maßnahmen, sondern ergänzt Monitoring, Brutstättenreduktion, BTI und Beratung |
ZikaSeal™: Die „Herzklappe“ im Kanalschacht
Ein weiterer Baustein ist ZikaSealTM. Das System wird in ausgewählten Regeneinläufen getestet. Es funktioniert wie eine mechanische Herzklappe: Der Zugang bleibt geschlossen und öffnet sich nur kurz, wenn Wasser abfließen muss. Danach verschließt sich der Schacht wieder. Tigermücken sollen dadurch daran gehindert werden, in Kanalschächte einzudringen und dort Eier abzulegen.
Die bisherigen Erfahrungen sind positiv. Auch bei starken Regenereignissen blieb die Funktion erhalten. Zusätzlich zeigte sich ein weiterer praktischer Effekt: Geruchsbelastungen im Bereich der betroffenen Regeneinläufe wurden reduziert. Das System wird weiter beobachtet und ausgewertet.
Tigermückendetektiv: Schulen werden Teil der Prävention
2026 werden auch die Schulen wieder eingebunden. Im Rahmen des Tigermückendetektivs erhalten Schülerinnen und Schüler umfassende Informationen zur Tigermücke, zu Brutstätten und zu einfachen Maßnahmen im Alltag. Sie können Hinweise und Beobachtungen einreichen und tragen das Wissen in ihre Familien, Wohnhäuser und Nachbarschaften weiter.
Damit wird Prävention dort verankert, wo sie besonders wirksam ist: im Alltag. Kleine Wasserstellen auf Balkonen, in Höfen, Gärten oder rund um Wohnanlagen sind oft entscheidend. Für teilnehmende Klassen ist ein Graz-Gutschein vorgesehen.
Beratung vor Ort, Türhänger und Besichtigungen
Das Gesundheitsamt informiert 2026 verstärkt direkt in betroffenen Gebieten und hat dafür zusätzliches Personal angestellt. Zum Repertoire gehören Türhänger, Beratung vor Ort, Lokalaugenscheine und Besichtigungen. Ziel ist nicht Kontrolle um der Kontrolle willen, sondern konkrete Unterstützung: Wo entstehen Brutstätten? Welche einfachen Maßnahmen helfen? Wie können Hausgemeinschaften, Heimgärten und Betriebe die Population senken?
Dafür braucht es die Mithilfe der Bevölkerung. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts können nur dort beraten und unterstützen, wo sie Zugang bekommen. Anrainer werden daher gebeten, angekündigte Besichtigungen zu ermöglichen und Hinweise ernst zu nehmen. Jede entfernte Brutstätte zählt.
Über Graz hinaus: Zusammenarbeit im Großraum Graz
Die Tigermücke kennt keine Gemeindegrenzen. Deshalb unterstützt das Grazer Gesundheitsamt auch Umlandgemeinden mit Erfahrung, fachlicher Einschätzung und Vorträgen. Erste Veranstaltungen im Großraum Graz haben bereits stattgefunden. Die nächste Infoveranstaltung findet am 18. Juni 2026 von 18.00 bis 19.00 Uhr im Auditorium der Gemeinde Seiersberg-Pirka statt.
Gerade im Großraum Graz wird deutlich: Eine wirksame Eindämmung braucht regionale Zusammenarbeit. Was in einem Stadtteil, einer Gemeinde oder einer Wohnanlage passiert, wirkt auch darüber hinaus.
Großer Dank an Heimgartenvereine und Anrainer
Ein besonderer Dank gilt den Heimgartenvereinen und den vielen Anrainer, die in den vergangenen Jahren mit dem Gesundheitsamt zusammengearbeitet haben. Am Podium beim Pressetermin ist auch Melanie Polz, Kassierin des HGV Dietscholdgrund. Sie steht stellvertretend für jene Menschen vor Ort, ohne deren Unterstützung Monitoring, Beratung und konkrete Maßnahmen deutlich schwieriger wären.

