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Mobilitätsverhalten

Mobilitätserhebung der Wohnbevölkerung 2018

Langzeitbeobachtung: Seit 1982 erhebt die Stadt Graz regelmäßig das Mobilitätsverhalten ihrer Wohnbevölkerung, die letzte Erhebung erfolgte im Herbst 2018. Durch Vergleich mit den vorangegangenen Erhebungen der Jahre 1982, 1991, 1998, 2004, 2008 und 2013, die alle nach derselben Methode durchgeführt worden waren, können längerfristige Veränderungen im Verkehrsverhalten festgestellt und Schlüsse daraus gezogen werden.

Bewertung: Der Weganteil des Fahrradverkehrs hat gegenüber den letzten Jahren stark zugenommen und weist im Jahr 2018 den Höchststand von 19% aller Wege auf, auch wenn ein Teil der Zunahmen im Fahrradverkehr auf außerge­wöhn­lich niederschlagsfreies Wetter zum Erhebungszeitraum Oktober bis Mitte November 2018 zurückzuführen sein dürfte. Das besonders positive an diesem Ergebnis ist, dass die Steigerung im Radverkehr nicht auf Kosten der Anteile der anderen Verkehrsmittel des Umweltverbundes ging, sondern die Anteile des motorisierten Individualverkehrs reduziert werden konnten. Dies ist im Sinne einer Trendwende als großer Erfolg der Verkehrspolitik von Graz und der Maßnahmen zu einer Verringerung des mIV und zu einer Förderung des Umweltverbunds zu werten.

Der Fußgängeranteil konnte sogar gegenüber dem abnehmenden Trend der vergangenen Jahre geringfügig gesteigert bzw. stabilisiert werden. Der Anteil des ÖV konnte seit Beginn der Erhebungen erhöht werden, stagniert aber ab 2008. Der MIV-Anteil der Grazerinnen und Grazer hat gegenüber den letzten Erhebungen und gegenüber dem Höchststand 2004 bis 2013 deutlich abgenommen.

Zur Erhebung 2018:

Grundlagen zur Erhebung

  • Es wurden 1.002 Grazer Haushalte mit 2.040 Personen über 6 Jahre befragt (entspricht einer Rücksendequote von 38%).
  • Schriftlich, postalische Erhebung zwischen 9.10. und 23.11.2018
  • Verfahren: KONTIV-Verfahren mittels Verkehrstagebuch

Verkehrsmittelaufteilung - Modal Split

Modal Split © ZIS+P
Modal Split© ZIS+P

Unter „Modal Split" versteht man die Anteile der erhobenen Wege nach den einzelnen Verkehrsarten, gemessen an der Gesamtheit aller erhobenen Wege.

Sehr starke Zunahmen sind beim Fahrradverkehr zu beobachten, der Weganteil liegt 2018 bei 19,3% aller Wege (gegenüber dem bisherigen Maximum von 16,1% im Jahr 2008 und 14,5% im Jahr 2013). Der Weganteil des nichtmotorisierten Verkehrs (FußgängerInnen und RadfahrerInnen) liegt in der aktuellen Erhebung 2018 bei 38,6 Prozent aller Wege. Der abnehmende Trend beim Fußverkehr von 1982 bis 2008 konnte offensichtlich gestoppt werden und eine leichte Zunahme gegenüber 2008 (18,8%) und 2013 (18,9%) entwickelt werden.

Derzeit werden rund 41,6 Prozent aller Wege der GrazerInnen mit dem Kfz als LenkerInnen oder MitfahrerInnen zurückgelegt. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs beträgt 19,8 Prozent und ist damit seit der letzten Erhebung gleichgeblieben.

Das Verhältnis MIV (LenkerInnen und MitfahrerInnen) zu Umweltverbund (Fuß, Rad, ÖV) beträgt 2018 42:58, dies stellt eine deutliche Verbesserung zu den letzten Jahren 2008 (45:55) und 2013 (47:53) dar.

Verkehrszweckmatrix

Verkehrszweckmatrix © ZIS+P
Verkehrszweckmatrix© ZIS+P

Verkehr ist kein Selbstzweck, sondern dient der Erledigung von Tätigkeiten außer Haus. Diese Tätigkeiten können in fünf „Daseinsgrundfunktionen" zusammengefasst werden: Wohnen, Arbeiten, Ausbildung, Einkauf, Freizeit.

Ca. 80% aller Wege haben ihren Ausgangspunkt oder ihr Ziel in der Wohnung. Jeder vierte Weg wird zwischen der „Wohnung" und der „Arbeit" sowie zwischen „Wohnung" und „Erledigung" zurückgelegt. Dieses Ergebnis unterstreicht die enge Wechselwirkung zwischen Raumordnung und Verkehrsplanung, z.B. die Bedeutung der Wahl des Wohnstandortes und des Arbeitsplatzes für die Weglängen bzw. die Wichtigkeit von dezentralen Versorgungseinrichtungen für kurze Weglängen.

Verkehrsmittelaufteilung und Verkehrszweck

Verkehrsmittelaufteilung und Verkehrszweck  © ZIS+P
Verkehrsmittelaufteilung und Verkehrszweck © ZIS+P

Die meisten Wege werden im Einkaufs- und Erledigungsverkehr (Einkäufe, Behördenwege, Arztbesuch, Serviceweg usw.), gefolgt vom Berufspendlerverkehr und vom Freizeitverkehr zurück­gelegt. Der öffentliche Verkehr hat seine größten Anteile beim Ausbildungs­pendler­verkehr. Das Auto weist die größten Weganteile beim Personenwirtschafts- und Berufspendlerverkehr auf. Der FußgängerInnenverkehr erreicht seine Spitzenwerte beim Ausbildungspendler- und Einkaufs- und Erledigungsverkehr sowie Freizeitverkehr. Der Fahrradverkehr hat die größten Anteile beim Ausbildungs­pendler­verkehr (dies betrifft allerdings vorwiegend die Altersklasse ab 15 Jahren). Hier ist es in den letzten Jahren zu einer starken Zunahme gekommen (+12%-Punkte). Der Fahrradverkehr hat aber auch bei den anderen Zwecken mit 16% bis 21% der Wege einen großen Anteil, und hat seit 2013 deutlich zugenommen.

Verkehrsmittelaufteilung und Alter

Verkehrsmittel + Alter © ZIS+P
Verkehrsmittel + Alter© ZIS+P

Der öffentliche Verkehr hat seine stärksten Anteile bei den 11 bis 15jährigen mit ca. 61% der Wege und bei den 16 bis 25jährigen mit 29%. Die stärksten Anteile des MIV treten mit 47% in der Altersgruppe von 36 bis 65 Jahren auf.

Der Fahrradverkehr hat seine stärksten Weganteile bei den 16 bis 25jährigen mit ca. 31% aller Wege dieser Altersgruppe. Auffallend ist in allen Alters­gruppen der Anstieg des Fahrradverkehrs.

Der Fahrradanteil bei den 6 bis 15jährigen ist seit dem Tiefstand im Jahr 2013 (1% bzw. 3% der Wege) wieder auf ca. 8% - 9% gestiegen. Dies entspricht ungefähr den Wert von 2008 (5% bzw. 11%).

Der MIV-Mitfahreranteil bei den 6 bis 15jährigen ist gegenüber 2013 weiter leicht gestiegen.

„Tür-zu-Tür“-Wegentfernung im Zeitvergleich

Verkehrsmittel im Zeitvergleich © ZIS+P
Verkehrsmittel im Zeitvergleich© ZIS+P

Die mittlere „Tür-zu-Tür"-Wegentfernung der Wege unter 100 km Wegent­fernung hat in den Jahren von 1982 bis 2013 insbesondere beim MIV stark zugenommen. Das ist eine Folge der dezentralen Siedlungsentwicklung und der Zentralisierung der Versor­gungs­­einrichtungen (Einkaufszentren, Fachmärkte etc.).

2018 zeigt sich, dass die mittlere Wegentfernung leicht zu sinken beginnt (stärkster Rückgang beim MIV von 10,6 km mittlerer Weglänge im Jahr 2013 auf 10,0 km im Jahr 2018 sowie Rückgang des Mittelwerts).

Eine Begründung kann neben der angestrebten Veränderung zu mehr kurzen Wegen (Stadt der kurzen Wege) und der zunehmend höheren Wohndichte (als Folge der stark zunehmenden Bevölkerungszahl) auch im guten und niederschlagsfreien Wetter zur Erhebungszeit gefunden werden. Die stärkere Nutzung der Verkehrsmittel zu Fuß und Fahrrad bewirkt auch eine geringere mittlere Wegentfernung der Summe aller Verkehrs­mittel.

Verteilung der Wege der MIV-LenkerInnen nach der mittleren Wegentfernung der anderen Verkehrsmittel

Verkehrsmittel + Wegentfernung © ZIS+P
Verkehrsmittel + Wegentfernung© ZIS+P

Diese Ergebnisse zeigen, dass ein großer Teil der Wege der MIV-LenkerInnen eine Weglänge und mittlere Tür-zu-Tür-Geschwindigkeiten haben, die den Verkehrsmitteln zu Fuß, Fahrrad, und ÖV entsprechen. Werden die Wege der MIV-LenkerInnen nach der mittleren Wegentfernung der anderen Verkehrsmittel ausgewertet, so zeigt sich, dass 7% aller Wege der MIV-LenkerInnen bis inkl. 1,0 km lang sind, der durch­schnitt­­lichen Weglänge der FußgängerInnen. Die „Tür-zu-Tür" Geschwin­dig­­keit ist dabei mit 7km/h nur etwas höher als zu Fuß (4km/h).

21% aller Wege der MIV-LenkerInnen weisen eine Weglänge unter 2,9 km auf, das ist die mittlere Weglänge der RadfahrerInnen. Die „Tür-zu-Tür"­- Ge­schwin­digkeit mit dem MIV ist mit 10km/h geringer als die durchschnitt­liche Geschwindigkeit der RadfahrerInnen (12km/h).

52% der Wege der MIV-LenkerInnen sind unter 5,9km lang, das ist die mittlere Weglänge des ÖV. Die „Tür-zu-Tür"-Geschwindigkeit des MIV liegt bei diesen Wegen mit 13km/h nur geringfügig über dem Mittel für den ÖV (10km/h).

Fahrzeug- und ÖV-Zeitkartenbesitz

Verkehrsmittel + Zeitkartenbesitz © ZIS+P
Verkehrsmittel + Zeitkartenbesitz© ZIS+P

Eine der wesentlichen Einflussfaktoren auf das Mobilitätsverhalten ist der Besitz von Fahrzeugen, Führerschein bzw. Zeitfahrkarten für den ÖV. Bei der Mobilitätserhebung 2018 hat sich ergeben:

  • Mehr als jede zweite Grazerin und Grazer besitzt ein Fahrrad.
    Beim KFZ-Besitz zeigt sich ein Unterschied zwischen Frauen und Männern (ca. 57% der Männer und 42% der Frauen besitzen einen PKW oder Kombi). Der Unterschied im KFZ-Besitz zwischen Männern und Frauen hat aber gegenüber den vergangenen Erhebungen abgenommen. Der durchschnitt­liche Grazer Haushalt verfügt über ca. 0,94 PKW oder Kombi.

  • Beim Führerscheinbesitz ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern geringer als beim PKW-Besitz.

  • Der Anteil beim ÖV-Zeitkartenbesitz (Wochen-, Monats- und Jahreskarten) liegt bei den Frauen bei ca. 46% und bei den Männern bei ca. 37%. Eine Erklärung dafür ist der geringere Motori­sierungs­­­grad der Frauen. Seit der letzten Erhebung ist der Wert bei den Männern um ca. 11%-Punkte, bei den Frauen um ca. 6%-Punkte gestiegen. Hier zeigt sich die im Jahr 2015 eingeführte verbilligte Jahreskarte für Personen mit Hauptwohnsitz Graz. Mehr Frauen besitzen eine ÖV-Karte als einen PKW.

Kontakt

Abteilung für Verkehrsplanung
Europaplatz 20 | 8011 Graz
Tel.: +43 316 872-2881
E-Mail: verkehrsplanung@stadt.graz.at

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