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Graz zwei Jahre nach dem Suchtgipfel

28.02.2020
Dr. Ulf Zeder, Stadtrat Robert Krotzer, Dr. Elisabeth Wejbora und Dr. Hans-Peter Meister bei der Pressekonferenz © Foto Fischer
Dr. Ulf Zeder, Stadtrat Robert Krotzer, Dr. Elisabeth Wejbora und Dr. Hans-Peter Meister bei der Pressekonferenz© Foto Fischer

Vor zwei Jahren fand der Grazer Suchtgipfel statt. Durch ins Haus stehende Pensionierung von substituierenden Ärzten stand die Versorgung von 900 Grazern und Grazerinnen in Substitutionsbehandlung in der Schwebe. Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer lud daher zum ersten Grazer Suchtgipfel, um alle relevanten Player an einen Tisch zu bringen und nach Lösungen zu suchen.

"Wenn man keine Scheu davor hat, heiße Eisen anzupacken, lässt sich Positives bewirken", betont Krotzer.

Wichtige Schritte

Stadtrat Krotzer erklärt, was seit dem Grazer Suchtgipfel vor zwei Jahren in Angriff genommen wurde. © Foto Fischer
Stadtrat Krotzer erklärt, was seit dem Grazer Suchtgipfel vor zwei Jahren in Angriff genommen wurde.© Foto Fischer

Als positiv verbucht der Gesundheitsstadtrat die Absicherung der Interdisziplinären Kontakt- und Anlaufstelle - I.K.A. in Zusammenarbeit mit Krankenkassa und Gesundheitsfonds und einen Dreijahresvertrag für den Caritas-Kontaktladen durch einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss. Auch die Prävention - etwa durch die Filmvorführungen für Schulklassen von Andrian Goigingers preisgekröntem Film Die beste aller Welten, bei denen der Regisseur auch persönlich anwesend war.

Wichtige Akzente wurden auch in der Ausbildung gesetzt, freut sich Krotzer. Mit der ÖH gibt es eine gemeinsame Veranstaltungsreihe zum Thema Praktische Sozialmedizin. Auch ist es gelungen, Substitution in Zusammenarbeit mit der Meduni Graz das Thema in einem Ausbildungsmodul im Medizinstudium zu verankern.

Weniger Opioid-EinsteigerInnen

Dr. Ulf Zeder: Das Substitutionsprogramm ist ein Erfolgsmodell. © Foto Fischer
Dr. Ulf Zeder: Das Substitutionsprogramm ist ein Erfolgsmodell.© Foto Fischer

"Randständige Menschen erreicht man nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Inklusion", betont Dr. Ulf Zeder, Suchtkoordinator der Stadt Graz, die Wichtigkeit des Substitutionsprogramms. Er weist auf zwei erfreuliche statistische Daten hin: Einerseits erreichen die Substitutionspatienten ein immer höheres Lebensalter, andererseits ist ein Rückgang an Opioid-Einsteigern zu verzeichnen.

Das Substitutionsprogramm ermöglicht es vielen, nicht nur zu überleben, sondern eine Rückkehr in ein geordnetes Lebens zu schaffen und berufstätig zu sein.

Substitution im Praxis-Alltag

Dr. Elisabeth Wejbora und Dr. Hans-Peter Meister berichten aus dem Praxisalltag © Foto Fischer
Dr. Elisabeth Wejbora und Dr. Hans-Peter Meister berichten aus dem Praxisalltag© Foto Fischer

"Die Behandlung von Suchtkranken in der neu eröffneten Primärversorgungseinheit Allgemeinmedizin Graz-Gries gehört zum Praxis-Alltag. Das war uns eine Herzensangelegenheit", erklärt Dr.in Elisabeth Wejbora, die dort als Hausärztin tätig ist und durch die Zusammenarbeit mit einer Sozialarbeiterin umfassend behandeln kann.

"Als ich vor 31 Jahren begonnen habe, sind viele Opiat-Abhängige nicht alt geworden. Heute ist ein großer Teil meiner Substitutionspatienten und -patientinnen über 60 Jahre alt und sozial stabilisiert", erklärt Dr. Hans-Peter Meister, Allgemeinmediziner in Lend "Es ist wichtig, die Hemmschwellen von jungen Kollegen und Kolleginnen abzubauen", unterstreicht Meister. Dazu diente der Suchtbehandlungsdialog im Rathaus, bei dem erklärt wurde, wie sich die Behandlung der chronischen Patienten und Patientinnen in der täglichen Praxis darstellt.

Den Weg weitergehen

"Das Problem ist noch nicht gelöst", so Krotzer, "aber einige wichtige Schritte sind getan. Wir werden den Weg weitergehen - und hoffen auf mehr neue Ärzte und Ärztinnen im Substitutionsprogramm.

Hanno Wisiak

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