
Die Tigermücke ist in Graz angekommen - und sie wird bleiben. Umso wichtiger ist es, frühzeitig und konsequent zu handeln. Die Stadt Graz hat daher einen umfassenden Maßnahmenplan 2026 zur Eindämmung der Tigermücke vorgestellt. Beim Pressegespräch am Dienstag informierten Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer, Dr.in Eva Winter und Erwin Wieser vom Gesundheitsamt, über aktuelle Entwicklungen und die nächsten Schritte.
Breites Maßnahmenpaket der Stadt
Seit den ersten Nachweisen im Jahr 2021 hat die Stadt Graz ein breites Instrumentarium aufgebaut, um die Ausbreitung der Tigermücke einzudämmen. Dieses reicht von intensiver Öffentlichkeitsarbeit und Bürger:innenberatung über systematisches Monitoring bis hin zu biologischen Bekämpfungsmethoden und innovativen technischen Lösungen. Ein zentraler Bestandteil bleibt die Bekämpfung der Larven mit dem biologischen Wirkstoff BTi in Regeneinläufen und Kanalschächte sowie ein engmaschiges Monitoring mit speziellen Fallen. Gleichzeitig werden neue Ansätze getestet - etwa technische Lösungen wie ZikaSeal, das verhindert, dass Tigermücken in Kanalschächte eindringen und dort Eier ablegen. Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt im Jahr 2025 wird zudem die Sterile-Insekten-Technik (SIT) weiter eingesetzt. (Details siehe Tigermückenmanagement Seite 20)
Bevölkerung als wichtiger Partner
Für Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer steht fest, dass die Bekämpfung der Tigermücke nur gemeinsam gelingen kann: „Graz hat bereits jetzt einen breiten Fächer an Maßnahmen - von intensiver Öffentlichkeitsarbeit über biologische Bekämpfung bis hin zu innovativen Methoden wie ZikaSeal oder der Sterilen-Insekten-Technik. Am wichtigsten bleibt aber die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Viele Brutstätten entstehen in Gärten oder auf Balkonen. Wenn wir diese gemeinsam beseitigen, können wir die Belastung deutlich reduzieren."
Unterstützung durch Bund und Land notwendig
Die zunehmende Ausbreitung der Tigermücke ist kein lokales Phänomen, sondern eine europaweite Herausforderung. Daher braucht es auch Unterstützung über die Stadtgrenzen hinaus. „Es braucht klare Rahmenbedingungen, aber auch konkrete Unterstützung", betont Dr.in Eva Winter, Leiterin des Grazer Gesundheitsamtes. „Graz kann diese Aufgabe nicht alleine stemmen. Wohlwollen von Bund und Land ist da - jetzt braucht es auch klare Zusagen und langfristige Unterstützung für Städte und Gemeinden." Neben der Bekämpfung steht auch der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung im Fokus. Die Tigermücke kann in anderen Weltregionen Krankheiten wie Dengue, Zika oder Chikungunya übertragen. In Österreich wurden bisher nur importierte Fälle registriert - dennoch ist eine frühzeitige Prävention entscheidend.
Einsatz steriler Tigermücken-Männchen gegen weitere Fortpflanzung
Nach den Erfahrungen bei der SIT-Methode aus dem Pilotjahr steht 2026 vor allem die gezielte Steuerung der Maßnahmen im Mittelpunkt, um einen optimalen Einsatz der sechs bis acht Millionen sterilen Tigermückenmännchen zu erreichen, die heuer im Grazer Stadtgebiet ausgesetzt werden sollen. Wie im Jahr 2025 sollen dann an hot spots Tigermückenmännchen, die nicht stechen und durch Behandlung unfruchtbar gemacht wurden, die Population reduzieren. „Nach dem SIT-Pilotprojekt 2025 wird es heuer die Herausforderung sein, mit den verfügbaren Mengen ein möglichst optimales Ergebnis zu erzielen", erklärt Erwin Wieser, Experte für strategischen Infektionsschutz der Stadt Graz. „Dabei spielen Witterung, Saisonverlauf und lokale Bedingungen eine ebenso wichtige Rolle wie die Meldungen der Bevölkerung. Auch hier sind wir wieder auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Sie haben die Möglichkeit uns zum Beispiel durch Beobachtungen in der Mosquito-Alert App zu unterstützen. Die Stadt Graz setzt daher weiterhin auf ein datenbasiertes Monitoring und eine flexible Anpassung der Maßnahmen während der Saison.

