Faktenbasis für die klimaresiliente Stadt
Am 24. und 25. März 2026 finden im Bernardinsaal des Franziskanerklosters in der Grazer Innenstadt das Klimasymposium „Klimainformationen für urbane Räume" statt. Rund 100 Teilnehmer:innen aus Verwaltung, Wissenschaft, Forschung, Universitäten, technischen Büros und Politik – auch über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus – nutzten die Gelegenheit zum Austausch über aktuelle Entwicklungen im Umgang mit Klimadaten.
Denn der Klimawandel stellt Städte unbestreitbar vor große Herausforderungen – etwa durch Hitzeinseln, Starkregenereignisse oder steigende Anforderungen an die Infrastruktur. Verlässliche und gut aufbereitete Klimainformationen sind daher eine zentrale Grundlage für faktenbasierte Planungen und eine nachhaltige, resiliente Stadtentwicklung.
Moderator Wolf-Timo Köhler betonte eingangs, dass die Auswirkungen des Klimawandels längst spürbar seien: von zunehmender Hitze bis hin zu Schäden durch Extremwetterereignisse. Entscheidend sei jedoch nicht nur das Vorhandensein von Fakten, sondern auch der Umgang mit ihnen sowie die Frage, wie diese verständlich an die Bevölkerung kommuniziert werden können. Dabei gebe es sowohl thematisch als auch kommunikativ eine große Bandbreite an Herausforderungen.
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner hob in ihrer Begrüßung die Bedeutung des Klimainformationssystems (KIS) der Stadt Graz hervor. Sie verwies darauf, dass subjektive Wahrnehmungen – wie etwa die angenehme Kühle im begrünten Innenhof des Franziskanerklosters – durch belastbare Daten ergänzt werden müssten. Das KIS liefere genau diese Grundlage. Zahlreiche städtische Abteilungen arbeiten gemeinsam daran, relevante Daten sichtbar zu machen, um gezielt Maßnahmen für eine lebenswerte Stadt der Zukunft setzen zu können.
Wie das System entstanden ist, erläuterte Elke Achleitner vom Stadtvermessungsamt: Bereits seit 1986 gebe es in Graz eine Stadtklimaanalyse, diese sei jedoch lange statisch und analog gewesen. Erst mit dem politischen Beschluss im Jahr 2020 sei der Weg für ein digitales, dynamisches System frei gemacht worden. Sie machte deutlich, dass Klimathemen nicht isoliert in einzelnen Abteilungen behandelt werden könnten, sondern eine gemeinsame Aufgabe seien. Gerade im Spannungsfeld von Falschinformationen und Glaubwürdigkeit sei es besonders wichtig, auf valide Daten als Entscheidungsgrundlage zurückzugreifen.
Stadtplanungschef Bernhard Inninger erklärte, dass die neuen Daten weit über reine Bestandsanalysen hinausgehen. Neben der Darstellung des Ist-Zustandes würden zunehmend Prognosemodelle eingesetzt. So könne etwa simuliert werden, wie sich Bauprojekte auf das Stadtklima auswirken. Diese Modelle seien beispielsweise bei Flächenwidmungen entscheidend, um Frischluftschneisen freizuhalten oder Hitzeinseln zu vermeiden. Auch Wettbewerbe, wie etwa für den Grazer Griesplatz, würden bereits mit entsprechenden Klimadaten unterstützt, um gezielt Maßnahmen wie zum Beispiel Baumpflanzungen an besonders belasteten Orten zu setzen. Ein Großteil der Daten sei zudem öffentlich über das KIS-Portal zugänglich.
Wolfgang Götzhaber vom Umweltamt ergänzte, dass die Stadt nicht nur Daten nutze, sondern auch selbst erhebe und in Kooperation mit Wissenschaft und Ziviltechnik weiterentwickelt. Besonders wichtig sei die Verknüpfung komplexer Informationssysteme, um daraus konkrete Maßnahmen zur Klimawandelanpassung abzuleiten. Auch im Hinblick auf kommende EU-Richtlinien, etwa zur Luftreinhaltung, liefere das KIS eine essenzielle Datengrundlage für die Planung und Umsetzung konkreter Maßnahmen.
Einen eindrucksvollen Überblick über die langfristigen Entwicklungen gab KIS-Koordinator Martin Jury stellvertretend für die ARGE KIS: Anhand von Temperaturreihen der letzten 150 Jahre zeigte er, dass die Durchschnittstemperatur in Graz um 2,1 Grad gestiegen sei – deutlich stärker als der globale Durchschnitt. Gerade Städte seien aufgrund von Versiegelung und dichter Bebauung besonders betroffen. Das KIS sei daher nicht nur ein internes Werkzeug für die Verwaltung, sondern auch eine wichtige Serviceplattform für Bürger:innen und über die Stadtgrenzen hinaus von Bedeutung.










Vorträge und Workshops
Im Rahmen des Symposiums wurden zahlreiche Fachvorträge präsentiert. Die Keynote hielt Univ.-Prof. Douglas Maraun zum Thema Klimainformationen für Risikoabschätzungen. Weitere Beiträge kamen unter anderem von Prof. Birgit Bednar-Friedl zu sozialen Auswirkungen von Klimarisiken, Daniel Rüdisser zur Wirkung von Hitze in Städten sowie Umweltmediziner Prof. Hans-Peter Hutter zu gesundheitlichen Risiken durch Hitzestress. Ergänzt wurde das Programm durch ein Podiumsgespräch sowie mehrere Workshops und Austauschformate.
Der zweite Veranstaltungstag steht ganz im Zeichen des Erfahrungsaustauschs: In mehreren Workshop-Runden diskutieren die Teilnehmer:innen Themen wie Stadtklimaanalysen und Mikroklimasimulationen, Hitze und Abkühlung, klimatische Indikatoren, Klimaszenarien sowie die Vermittlung von Klimawissen an die Öffentlichkeit. Ziel ist es, konkrete Ansätze für die Umsetzung von Maßnahmen und die Weiterentwicklung von Richtlinien zu erarbeiten.





















