"Es ist wichtig, den Menschen, die von den Faschisten verfolgt wurden, mit den Stolpersteinen einen Namen zu geben", begrüßte Bürgermeisterin Elke Kahr die Gruppe von 16 Personen, die anlässlich der Stolperstein-Verlegung für ihre Vorfahren aus den USA, aus Israel und der Schweiz nach Graz gereist waren, um an deren Schicksal zu erinnern. Nach einem geführten Rundgang durch die Stadt stand der Besuch des Rathauses am Programm. Kahr, die der Gruppe auch gerne das Tor zum Gemeinderatssitzungssaal öffnete, betonte: "Graz ist eine Stadt, die ein offenes Herz für alle Menschen hat und ihnen ein gutes Zuhause gibt - egal, woher sie kommen."
Ein Blick zurück
Von weit her gekommen sind auch Leo und Thekla Jagoda. Die jüdische Paar heiratete 1908 in Plock (Polen) und baute sich anschließend mit ihrer Schneiderwerkstätte in der Netzgasse 11 eine erfolgreiche Existenz in Graz auf. Hier lebten die Jagodas ein beschauliches Leben, hier wuchsen ihre fünf Kinder Wilhelm, Emilie, Adolf, Erich und Otto auf. Mit dem Anschluss Österreichs 1938 dann der Einschnitt: Leo wurde verhaftet und in das KZ Dachau deportiert, das Familienunternehmen musste aufgegeben werden. Doch die Familie hatte Glück im Unglück: Nach der Freilassung Leos gelang im September 1938 die Flucht in die Schweiz, die Kinder fanden später Zuflucht in Großbritannien, Palästina bzw. den USA.
Feierliche Stolpersteinverlegung
Seit Freitagnachmittag, dem 2. Oktober 2026, erinnern nun sieben Stolpersteine vor dem Haus Netzgasse 11 an die Familie Jagoda. Besonders berührend für deren Nachfahren: Die Bewohner:innen ermöglichten es ihnen nicht nur, einen Blick ins Innere des Wohnhauses zu werfen, sondern nahmen auch an der Gedenkfeier teil. Zu dieser gekommen waren zudem Tristan Ammerer, Obmann des Vereins für Gedenkkultur in Graz, welcher die Stolpersteinverlegungen organisiert, sowie Kulturstadträtin Claudia Unger. Heribert Macher-Kroisenbrunner vom Museum Joanneum nahm die Teilnehmenden mit auf eine historische Reise durch das Leben der Jagodas und zwei Angehörige erzählten persönliche Geschichten über ihre Vorfahren, die bis heute innerhalb der Familie weitergegeben werden.












