
Am 1. Februar 2021 wurde die erste Zusatztafel im Maria-Cäsar-Park montiert. Die Namensgeberin ist eine bekannte österreichische Widerstandskämpferin gegen das Regime, die bis ins hohe Alter hinein nicht müde geworden ist, für die heute so selbstverständlich erscheinenden Werte Freiheit und Demokratie zu kämpfen.
Mehrjähriges Wissensprojekt
Die Texte für die Infotafeln werden von der Universität Graz in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Bolzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung erstellt, die alle von der ExpertInnenkommission Straßennamen (EKSN) überprüft und freigegeben werden.
Die Zusatztafeln werden von Mitarbeiter:innen der Holding Graz laufend aufgestellt - zwei bei längeren Straßenzügen, größeren Plätzen und Parks, eine in kleineren Bereichen. Natürlich wird es auch für alle neu benannten, personenbezogenen Straßen dementsprechende Hinweise geben. Farblich setzt man auf Einheitlichkeit, indem die Tafeln den Straßenschildern angepasst sind: Weiß auf Grün bzw. Schwarz auf Weiß mit rotem Rand in der Welterbezone. Gesamtkosten: rund 1,3 Millionen Euro.
In einem speziellen Stadtplan des Stadtvermessungsamtes können Informationen zu personenbezogenen Straßennamen und ihren Namensgeber:innen eingesehen werden. Die Texte dafür wurden ebenfalls von der Universität Graz in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Bolzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung erstellt und von der EKSN abgesegnet.
Hintergrundinformationen
Eine 14-köpfige Expert:innenkommission unter der Leitung von Univ.Prof. Dr. Stefan Karner untersuchte die Straßenbezeichnungen in Graz. Die Kommission kam im November 2017 zum Schluss, dass von den 1.630 Grazer Verkehrsflächen 82 die Namen von historisch bedenklichen Personen tragen, wovon 20 Personen als höchst bedenklich eingestuft werden. Der Bericht der Historiker:innenkommission wurde im März 2018 veröffentlicht und enthielt keine Handlungsempfehlungen.
Wie die Stadt Graz damit umgeht ...
... wurde im Februar 2019 im Grazer Gemeinderat diskutiert. Der Gemeinderat entschied, den Endbericht der Historikerkommission, finalisiert unter der Leitung von Univ.Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx, auf www.graz.at zu veröffentlichen. Des Weiteren wurde eine Online-Karte am Geoportal eingerichtet, auf der man mit Mausklick auf personenbezogene Straßennamen die jeweilige Beschreibung der Kommission abrufen kann. Außerdem wurde allen Grazer Volksschulen, Neuen Mittelschulen und Gymnasien für ihre Bibliotheken das Buch „Grazer Straßennamen" von Karl A. Kubinzky und Astrid Wentner zur Verfügung gestellt.
Des Weiteren wurden bis jetzt bereits 5 Straßen umbenannt:
- Dr.-Hans-Kloepfer-Straße → Julia-Pongracic-Straße
- Dr.-Karl-Lueger-Straße → Maria-Matzner-Straße
- Dr.-Muck-Anlage → Ella-Flesch-Platz
- Kernstockgasse → Maria-Stromberger-Gasse
- Max-Mell-Allee → Aigner-Rollett-Allee
Ergänzende Informationen:
