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Menschrechtspreise 2021 verliehen

13.12.2021

Erstmals dreigeteilt verliehen wurde der Menschenrechtspreis der Stadt Graz für 2021: Ausgezeichnet für besondere Leistungen um die Menschenrechte wurde der Verein Frauenhäuser Steiermark, die Initiative "Wochenende für Moria" sowie Barbara Kasper für ihr Lebenswerk. Die Überreichung erfolgte am 13. Dezember durch Bürgermeisterin Elke Kahr.

Der mit 7.000 Euro dotierte Preis wurde heuer dreigeteilt und insgesamt auf auf 9.000 Euro angehoben. Die Zuerkennung erfolgt zweijährig für außergewöhnliche Leistungen für Menschenrechte auf kommunaler Ebene. Alle Einreichungen - für 2021 waren es 20 - werden von einer Jury nach Kriterien wie Förderung von Toleranz, Dialog und Versöhnung und ihre Wirkung im kommunalen Leben von Graz und anderen europäischen Städten bewertet.

Abgewickelt wird der Menschenrechtspreis über das Friedensbüro, an deren Geschäftsführerin Jutta Dier  - stellvertretend war Gertrude Peinhaupt anwesend - die Bürgermeisterin ebenso wie an die Mitglieder der zehnköpfigen Jury ihren Dank aussprach. Es verwundere nicht, so Kahr, dass die Preisträgerinnen Frauen sind, die in unterschiedlichsten sozialen Bereichen über Jahrzehnte tätig sind: "Ich habe die Zusammenarbeit in Kollektiven auch immer so erlebt, dass wenn es darauf ankommt, es Frauen sind, die da sind, die auch mutig sind und aufzeigen, wo manche schon aufgegeben haben."

6 Frauen ausgezeichnet

Die PreisträgerInnen mit Bürgermeisterin Elke Kahr, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner und Stadträte Manfred Eber, Robert Krotzer, Günter Riegler und Kurt Hohensinner sowie Klubobmann Michael Ehmann.
Die PreisträgerInnen mit Bürgermeisterin Elke Kahr, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner und Stadträte Manfred Eber, Robert Krotzer, Günter Riegler und Kurt Hohensinner sowie Klubobmann Michael Ehmann.© Stadt Graz/Fischer

Normalerweise findet die Überreichung am "Tag der Menschenrechte", am 10. Dezember, statt. Aufgrund der besonderen Situation in der Pandemie wurde das Ende des Lockdowns abgewartet, und die Zeremonie fand am 13. Dezember in kleinstem Rahmen ohne Publikum, dafür aber mit einer Livestream-Übertragung statt.

Die drei Auszeichnungen wurden in Form von Urkunden aus den Händen der Bürgermeisterin von den Preisträgerinnen entgegengenommen.

  • Heidrun Primas, Marion Bock, Lisa Rücker und Brigitte Kratzwald als Mitinitiatorinnen des Solidaritätscamps „Wochenende für Moria"
  • Barbara Kasper
  • Michaela Gosch für den Verein Frauenhäuser Steiermark

 Hier Auszüge aus den Würdigungen:

Initiative "Wochenende für Moria"

Das Solidaritätscamp „Wochenende für Moria" war eine österreichweite Aktion, die von Jänner bis März 2021 stattfand und die menschenunwürdigen Verhältnisse für Flüchtlinge an Europas Außengrenzen aufmerksam machte am Beispiel des Camps Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Ein Thema, das heute ein kaum weniger dringliches ist. Die Initiator:innen appellierten an Politik und Zivilgesellschaft, diese Verhältnisse nicht länger mitzutragen, sondern unverzüglich zu handeln und schafften es, mit dem Solidaritätscamp eine Plattform zu schaffen, die auf den aktiven Dialog setzt und interkulturelle Toleranz fördert. 

Bereits vor dem Start der Aktion "Wochenende für Moria" wandte sich Heidrun Primas, die selbst in den Flüchtlingslagern vor Ort ehrenamtlich tätig war, mit einem offenen Brief an die Bundesregierung, um auch die höchsten politischen Entscheidungsträger unseres Landes zum menschenwürdigen Handeln aufzufordern. Diese Aufforderung wurde von vielen hundert Menschen unterzeichnet und mitgetragen.

Gemeinsam mit Brigitte Kratzwald, Lisa Rücker, Marion Bock steht Heidrun Primas stellvertretend für alle engagierte Menschen in Graz, die sich öffentlich dagegen wehren, Menschenrechtsverletzungen hinzunehmen.
Sie verlieren hierbei aber auch jene Mitbürger:innen nicht aus dem Blick, welche der Aufnahme von Geflüchteten ängstlich oder mit Vorbehalten gegenüberstehen. So wurde etwa bei Kundgebungen der Austausch gesucht, denn Integration muss stets von beiden Seiten getragen werden, um zur sozialen Inklusion führen zu können. Genau hier setzt die Initiative "Wochenende für Moria" an: Die Wirkungskraft wird in ein solidarisches Miteinander gelegt und versucht, in unserer Gegenwartsgesellschaft die Notwendigkeit gegenseitiger Wertschätzung aufzuzeigen. Ein Engagement, das schon Nachfolger:innen gefunden hat - Yasmine Heyer und Manuel Fellner waren bei der Verleihung auch anwesend - und weitergeht. "Wir haben große Hoffnung, dass es uns gelingt, Graz als Stadt der Menschenrechte auch zu einer Stadt des sicheren Hafens zu machen", sagte Primas in ihren Dankesworten.

Preisträgerin Brigitte Kratzwald (l.) mit Bürgermeisterin Elke KahrPreisträgerin Lisa Rücker (l.) mit Bürgermeisterin Elke KahrPreisträgerin Marion Bock (l.) mit Bürgermeisterin Elke KahrPreisträgerin Heidrun Primas

Verein Frauenhäuser Steiermark

Michaela Gosch (l.) nahm den Preis für den Verein Frauenhäuser Steiermark entgegen
Michaela Gosch (l.) nahm den Preis für den Verein Frauenhäuser Steiermark entgegen© Stadt Graz/Fischer

Der Verein Frauenhäuser Steiermark, vertreten durch Geschäftsführerin Michaela Gosch ist, bietet seit 1981 in Graz und seit 2005 in Kapfenberg Frauen und Kindern Schutz in Fällen von familärer und häuslicher Gewalt. Betroffene werden unabhängig von sozialer Schicht, Einkommen, Nationalität oder Religion unterstützt und hinsichtlich ihrer weiteren Lebensplanung beraten. Durchschnittlich werden pro Jahr also rund 400 Frauen und Kinder betreut.

Darüber hinaus betreibt der gemeinnützige Verein - oftmals in Kooperation mit anderen Einrichtungen - Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zur Gewaltprävention und trägt damit auch zur Bewusstseinsbildung über diese oft noch immer tabuisierte Problematik in der Gesellschaft bei. Das Thema familiäre Gewalt ist leider ja aktuell überaus präsent, und es passiert auch einiges dagegen. So verwies die Bürgermeisterin in ihrer Laudatio auf auf die gerade laufende internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt", die in Graz unter dem Motto steht: „#grazstehtauf - Schau nicht weg. Gewalt gegen Frauen geht uns alle an!".

Michaela Gosch bedankte sich namens des Teams des Vereins Frauenhäuser Steiermark für den Preis: "Er ist für ein schönes Geburtstagsgeschenk. Wir haben gestern den 40. Geburtstag begangen; das dazugehörige Fest ist im kommenden Jahr geplant."

Auszeichnung für das Lebenswerk: Barbara Kasper

Barbara Kasper (links) wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet
Barbara Kasper (links) wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet© Stadt Graz/Fischer

Barbara Kasper engagiert sich seit 1987 in unterschiedlichen Funktionen für eine Gesellschaft, in der die Menschenrechte respektiert und hochgehalten werden. Herausragend ist ihr Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen, für Friedenserziehung und für einen Dialog, der kulturelle, sprachliche und Gesellschaftliche Grenzen überwindet.

Barbara Kasper war als Lehrerin an der Projektschule Graz tätig. Die Entwicklung von alternativen pädagogischen Konzepten und die Integration von Menschenrechtsthemen in den schulischen Alltag waren ihr ein großes Anliegen. Besonders hervorzuheben ist ihre Funktion als frühere langjährige Obfrau der Landesarbeitsgemeinschaft der UNESCO-Schulen.

Bekannt ist die Ausgezeichnete für ihr Eintreten im Sinne der Gleichberechtigung der Frauen. In der Tat gibt es gibt nicht viele Menschen in Graz, die wie Barbara Kasper so kontinuierlich und unermüdlich auf kommunaler Ebene ehrenamtlich Friedens- und Menschenrechtsarbeit leistet. Als Nachfolgerin von Dr. Grete Schurz, der ersten Frauenbeauftragten Österreichs, wirkte sie 1995-1998 als unabhängige Grazer Frauenbeauftragte. Darüber hinaus ist sie langjähriges Mitglied im Vorstand und aktuell Vorsitzende des Frauenrates der Stadt. Im Grazer Friedensbüro ist sie seit der Gründung 1988 in Vorstandsfunktion, mit ihrem Engagement bei den „Omas gegen Rechts" setzt sie sich für Menschenrechte und für die Stärkung der parlamentarischen Demokratie in einem geeinten und sozial gerechten Europa ein.

Die gebürtige Deutsche Barbara Kasper nannte den an sie verliehenen Preis und die Begründung "wie ein schönes Drehbuch zu meinem Leben in Graz". Sie selbst verstehe ich als Impulsgeberin und wählte in eigener Sache den "fabelhaften" Vergleich zur Geschichte von Michael Endes "Tranquilla Trampeltreu, die beharrliche Schildkröte."  

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