
Zu einem internationalen Austausch empfingen Bürgermeisterin Elke Kahr und Stadtrat Robert Krotzer den palästinensischen Botschafter Salah Abdel Shafi im Grazer Rathaus. Im Mittelpunkt des Treffens standen sowohl die internationale politische Lage als auch persönliche Einblicke und internationale Perspektiven.
„Es ist nicht mein erster Besuch in Graz, aber mein erster Besuch bei Ihnen, Frau Bürgermeisterin", eröffnete Shafi das Gespräch. Der Politökonom, der aus Gaza stammt, blickt auf eine internationale Laufbahn zurück: Er studierte in der DDR, erlebte den Fall der Berliner Mauer mit, war als Diplomat unter anderem in Stockholm und Berlin tätig und vertritt Palästina seit vielen Jahren auch bei den Vereinten Nationen.
Neben internationalen Themen wurde auch die politische Situation in Graz angesprochen. Den Erfolgsfaktor der KPÖ beschreibt Bürgermeisterin Kahr so: „Wir gehen unseren eigenständigen Weg und geben unsere Überzeugungen nicht auf. Besonders wichtig ist aber, dass wir als Partei nützlich für die Menschen im Alltag sind. Das schafft Vertrauen."
Katastrophale humanitäre Situation
Die Gespräche waren zugleich von der aktuellen humanitären Lage im Gazastreifen geprägt. „Es war und ist für mich persönlich eine schwierige Zeit. Durch den Krieg haben so viele Menschen Teile ihrer Familie und ihr Zuhause verloren - auch ich", schilderte Shafi. Als Vertreter Palästinas - eines Staates, der international nicht durchgehend anerkannt ist - sei seine Arbeit zudem oft mit besonderen Herausforderungen verbunden.
Zur Situation vor Ort führte der Botschafter weiter aus: „Aktuell sind 30 der 36 Krankenhäuser in Gaza völlig zerstört. Dasselbe gilt für mehr als die Hälfte der Schulen. Die vergangenen Monate haben über 72.000 Menschen in Palästina das Leben gekostet, zwei Drittel davon sind Frauen und Kinder. Rund 10.000 weitere Personen vermuten wir aktuell noch unter den Trümmern."
Unterstützung und Perspektiven
Auch die Stadt Graz leistet einen Beitrag zur Unterstützung, betont Stadtrat Robert Krotzer: „Für uns ist klar, dass es einen gerechten Frieden geben muss. Wir sind froh, dass wir in Graz ein Zeichen setzen konnten und über das Internationale Rote Kreuz 15.000 Euro für die Wasseraufbereitung in Gaza spenden konnten. Damit konnten wir der Zivilgesellschaft dort zumindest in einem kleinen Rahmen helfen".
Trotz der schwierigen Lage sieht Shafi auch vorsichtige politische Perspektiven: „Ab Mai beginnen im restlichen Palästina die Kommunalwahlen - Gaza ist dabei derzeit aufgrund der Lage ausgenommen. Es werden die ersten Wahlen seit über 10 Jahren bei uns sein." Sollten es die Umstände zulassen, könnten gegen Ende des Jahres zudem Parlamentswahlen folgen.
